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Quantum of Solace

Glücklicherweise bieten die Innenstadt-Kinos in Stuttgart immer häufiger die Möglichkeit Film auch im O-Ton anzuschauen. So ist es auch beim neuen Bond. Keine Ahnung, wie “He was a deadend!” ins Deutsche übersetzt wurde.

Zuerst möchte ich ein paar Dinge hervorheben, welche mir nicht gefallen haben. Dazu gehört ganz gewiss der Titelsong, den ich noch schlechter als Madonnas fand. An zweiter Stelle nervte mich die Kameraführung mit extrem vielen Close-Ups, welche einen nicht etwa tiefer ins Geschehen brachten, sondern im Gegenteil die Übersicht verlieren ließen. Die Brutalität des Filmes ist sicher Geschmackssache, ich hatte kein Problem damit. Achja, Q mit seinen Gadgets hat mir noch gefehlt. Ein komplexer Touch-Table ist zwar ganz nett, aber wir wollen in Bond ja nicht aktuelle Technologie gezeigt bekommen, sondern die Technologie von morgen.

Bondmäßig war ansonsten alles drin. Verfolgung zu Fuß, auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft – Weltraum wäre dieses mal nicht wirklich passend gewesen. Zwei mehr oder weniger hübsche Frauen, von denen er aber nur mit einer schläft  (yet!); ein super Bösewicht, der aber nur ein Lichtlein in einer bösen Superorganisation ist; unrealistischen aber megageilen Stunts, einen Maulwurf und Stress mit Cheffe; viele Tote und Verletzte und darunter natürlich auch Nahestehende. Alles abgehakt.

Was viele Kritiker wohl verpasst haben, ist, dass es sich um einen zweiten Teil eines Mehrteilers handelt. Kein Wunder erscheint Besim die Handlung nicht gerade signifikant. War sie das denn bei Star Wars V, Matrix II oder LotR 2? Ja, das war sie, aber nur wenn man das Gesamtwerk betrachtet und nicht nur den Teil an sich. Genau das wird hier auch der Fall sein, wenn Quantum mit einem der nächsten Bonds (ich glaub aber nicht, dass es mehr als eine Trilogie wird) aufgelöst wird. Zudem scheint die Botschaft des Bolivien-Falls etwas untergegangen zu sein (keine Ahnung ob das etwas mit der Synchronisation zu tun hat). Die Organisation versucht tatsächlich die Weltherrschaft an sich zu reißen und die Macht über Bolivien ist da nur ein Teil.

Viele vergessen auf der anderen Seite auch, dass Bondfilme nie gleich waren. Jeder Darsteller und jeder Regisseur brachten eine neue Richtung. Und so, wie sie aktuell wieder extrem viel Action drin haben und dafür Sexszenen quasi ganz rausgenommen wurden, so kann es in 10 Jahren wieder ganz anders aussehen. Das ist wie bei gutem Wein – jeder Jahrgang schmeckt anders. Nicht jeder Jahrgang schmeckt einem persönlich gut – aber das muss er auch nicht. Deswegen ist aber nicht der Wein und auch nicht der Winzer schlecht.

Seinen Geschmack für Martini wird er hoffentlich noch in einem der nächsten Filme entdecken – nicht vergessen, er ist erst seit Kurzem 00-Agent.

November 18th, 2008 at 22:01 by Martin Hiegl | 3 Comments
Posted in Netzwelt und Kultur · Tags: 007, James Bond, Kino, Kritik

Alles Hitler, oder was?

Henryk M Broder versucht auf SpOn das Verhältnis “der Deutschen” zu Hitler zu erklären. Ganz abgesehen davon, dass ich über solche Schubladen nur lächeln kann (“die Deutschen”, “die Juden”, “die Whatever”), ist es eine skurrile Idee, die er da hat. Er meint, dass “die Deutschen” nach dem zweiten Weltkrieg glimpflich davon gekommen seien und in “jedem Deutschen” heute die Angst vor, ja der Wunsch nach, einer späten Bestrafung verankert sei – vererbte “Bestrafungserwartung” nennt er das. Damit will er dann “den Deutschen” an sich erklären, seine Neurosen und seine ewige Aufarbeitung des dritten Reiches im Allgemeinen und Hitlers im Speziellen. Letztendliche diene diese dazu, sich selbst in eine Opferposition zu setzen. (Trotz eines Satzes, in welchem er von anderen Opfern spricht, gibt der Artikel (und andere von ihm zuvor) mir das Gefühl, dass es für ihn nur ein “wirkliches” Opfer des dritten Reiches gibt.)
Er prophezeit, dass das noch einige Jahrhunderte so ginge, aber ich halte entgegen, dass er zu sehr auf die eigene Generation fixiert ist. Er meint, dass die Welt “den Deutschen” verziehen habe und doch ihn straft sein eigener Artikel Lügen. Er und viele andere seiner Generation haben Niemandem verziehen und werden es auch nicht – zumindest nicht im Bauch. Aus meiner Sicht lebt aber auch bald Niemand mehr, dem man verzeihen müsste oder überhaupt könnte. Auch auf der anderen Seite gibt es immer weniger, die tatsächlich “das Recht haben” zu verzeihen, auch wenn das Manche anders sehen mögen. Mir kann und muss niemand verzeihen und ich erwarte auch von niemandem Verzeihung und so geht es wie gesagt einem großen Teil meiner Generation. Ich bin bezüglich des dritten Reiches absolut schuldfrei und weder erwarte ich, noch befürchte ich, noch möchte ich eine Bestrafung für etwas, bei dem ich nicht die kleinste Rolle spielte.
Dazu passend sehe ich die heutige Bundesrepublik nur in folgender Verantwortung: zu erinnern und dafür zu sorgen, dass soetwas (damit meine ich sehr allgemein schon die Unterdrückung von Minderheiten und Menschenfeindlichkeit und schließe alle Extreme davon ein) nicht mehr möglich ist – hier und woanders auf der Welt.

March 19th, 2008 at 20:32 by Martin Hiegl | 4 Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Artikel, Broder, Deutschland, Hitler, Kritik, Nazi, SpOn

Richtig Feedback geben

Kritik oder Feedback hat verschiedene Dimensionen. Ich unterscheide dabei zwischen der Kritik an den Inhalten und der Objektkritik. Inhalte sind wohl soweit klar, dabei geht es um Fakten, Behauptungen etc. Objekte zu definieren ist schon schwieriger. Grob gesagt ist es der ganze Rest, was nach den Inhalten übrig bleibt, der Rahmen, in welchem die Inhalte eingebettet sind. Die beiden Dimensionen lassen sich nicht immer sauber trennen.

Im Folgenden werde ich Tipps geben, wie man richtig Kritik übt und Feedback gibt. Die Beispiele haben ein Szenario, in welchem Feedback zu einer Präsentation gegeben wird.

Bei Objekten geht es vor allem um die Wirkung des Objektes auf einen selbst bzw. was man selbst gesehen hat. Das ist wahrnehmungsbasierend und somit rein subjektiv. Diese Subjektivität muss auch in der Kritik zum Ausdruck kommen, ohne allerdings selbige zu relativieren. Passende Formulierungen dazu sind zum Beispiel die Folgenden:

  • Ich habe beobachtet …
  • Auf mich wirkte …
  • Ich empfand …

Beispiel: Auf mich wirkte es sehr unruhig, wie du herumgelaufen bist.
Beispiel: Ich habe beobachtet, dass du deine Hände sehr häufig vor der Brust verschränkt hast
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February 11th, 2008 at 21:16 by Martin Hiegl | 3 Comments
Posted in Vermischtes · Tags: Feedback, Kritik, Tipp

Feedback geben und Feedback nehmen

Imgriff verweißt auf How To: Give Constructive Criticism von Ross Bonander. Dieser beschreibt dabei typisch angelsächsisch und eigentlich nicht übertragbar, wie man richtig kritisiert bzw. Feedback gibt. Typisch angelsächsisch sind Tipps wie “Frame your criticism in appropriate language”, womit er eine verbale Relativierung der eigenen Aussage bezeichnet. So etwas ist meiner Erfahrung nach grundsätzlich falsch, denn wenn man etwas nicht meint, dann sollte man es erst gar nicht sagen. Kritik/Feedback bedeutet genau das zu äußern, was man selbst beobachtet/empfunden hat. Das ist immer subjektiv und andere können das immer anders gesehen haben, deshalb ist es richtig klar zu sagen, dass die Kritik selbstbezogen ist, aber nicht sie zu relativieren.
Außerdem ist das kritisieren auch nur eine Seite des Geschehens. Wichtig ist auch, wie man Kritik aufnimmt. Ich werde diese Woche zwei Artikel dazu schreiben Feedback richtig zu geben und richtig anzunehmen, so wie ich es gelernt und erfolgreich angewandt habe.

February 11th, 2008 at 14:13 by Martin Hiegl | No Comments
Posted in Vermischtes · Tags: Feedback, Kritik, Tipp

Und wieder grüßt das Grantltier …

Heribert Prantl schreibt in seinem aktuellen Anti-Merkel-Kommentar auf der Seite der Süddeutschen Zeitung von Schokohohlformen, welche zu gegebenem Festtag passend umwickelt werden. Dieses Bild will er auch auf Angela Merkel und die CDU münzen, wobei ihm gar nicht auffällt, wie gut es zu ihm selber passt. Keine zwei Wochen ist es her, dass er quasi den selben Inhalt mit anderen Worten umwickelt hat, mit welchem er zwar eine etwas andere Note bekommt, aber doch das Selbe drinsteckt. Als Ressortleiter der Innenpolitik bei der Süddeutschen, sollte es GPrantl doch kein Problem bereiten dafür zu sorgen, dass er eine statische Seite für seine Meinung bekommt und auf der dann mit ein paar Bulletpoints die Eckpunkte festzuhalten. Damit könnte er sich einiges an Zeit sparen und Platz für interessantere Kommentare machen, welche auch neue Aspekte beleuchten und weitere Meinungen aufzeigen.

December 2nd, 2007 at 20:51 by Martin Hiegl | No Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Heribert Prantl, Kommentar, Kritik, Sueddeutsche

Buchempfehlung: Stephen King – Puls

Zum Geburtstag habe ich den Roman Puls (8ung mit Spoiler) von Stephen King geschenkt bekommen. Seit dem hatte ich leider keine Zeit zum Lesen. Gestern hat mich jedoch so ein Magen-Darm-Dingens, was hier grad rumgeht, erwischt und ich verbrachte den Tag in der Horizontalen. Das gab mir reichlich Zeit um endlich mit dem Buch anzufangen (und es auch zu Ende zu bringen). Ich habe in meiner frühen Jugend mal ein, zwei Bücher von Stephen King gelesen und sie haben mir absolut nicht gefallen. Aber ich wusste, dass es definitiv gute Bücher von ihm gibt und habe mich dann möglichst unvoreingenommen auf die Lektüre eingelassen. Um es gleich vorwegzunehmen: das Buch ist super!
Zum Anfang der Story geht ein Puls durch (vermutlich) alle Handynetze und macht die Telefonierenden verrückt. Der Hauptcharakter, Clay, hat glücklicherweise kein Handy, befindet sich aber in Boston und damit 160 Meilen von seinem Sohn in Kent Pond, welcher eines hat, entfernt. Der rote Faden durch das Buch ist dann die Clays Suche nach seinem Sohn.
Der Spannungsbogen wird äußerst schnell aufgebaut und schon auf der siebten Seite geht es richtig zur Sache. Das bleibt bis auf wenige Längen dann so, bis der Roman auf den letzten paar Seiten noch sauber ausklingt. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Referenzen auf Aktuelles aus quasi allen Bereichen und neben dem ganzen (teilweise sehr brutalen, ja grausamen) Gruselszenen, schreibt Stephen King hier mit sehr viel Humor und Witz. Ich gehe davon aus, dass bei der Übersetzung auch einiges davon leider verloren ging. Der Detailierungsgrad in allen Beschreibungen (Charaktere, Umgebung, SItuationen, …) ist anscheinend typisch für ihn und hinterlässt bei mir einen sehr positiven Eindruck.
Das Buch kann man als durchaus gelungene Kritik an der entstandenen und sich weiter verschlimmernden Handyunkultur verstehen. So lässt King den Hauptcharakter auf den ersten Seiten eine Frau beobachten, welche mit ihrem Handy telefoniert während sie an einem Eiswagen ein Eis kauft, und äußert seine Kritik in einem Nebensatzgedanken dazu:

Clay dachte, [...] dass er Zeuge wurde, wie ein Benehmen, das früher als grob unhöflich gegolten hätte [...], doch allmählich zu einem Teil des allgmein akzeptierten Verhaltenskodex wurde.

Dieser Tenor schwingt im gesamten Buchverlauf mit.
Schon während dem Lesen, dachte ich mir, dass das Buch sehr gut verfilmt werden könnte und sicher ein Erfolg werden würde. Und tatsächlich soll es auch verfilmt werden – ich bin gespannt.
Eine gute Kritik des Buches gibt es auch bei Echolog.

December 1st, 2007 at 20:02 by Martin Hiegl | 1 Comment
Posted in Uncategorized · Tags: Buch, Handy, Kritik, Puls, Stephen King