Ost-Arm und Süd-Reich – Deutschlands Vielfalt
In der aktuellen Armutsstudie vom Paritätischen Gesamtverband ist Deutschland dreigeteilt: ein reicher Süden, ein ärmerer Nordwesten und ein verarmter (Nord-)Osten. Mit viel Dramatik wird von einem “zerrissenen” Deutschland gesprochen und einer “Verödung ganzer Landstriche”. Mir mag es als Bewohner des reichen Südens besonders leicht fallen da zu fragen: “Ja und?”
Warum soll es allen in Deutschland gleich gehen, ja warum soll es überall in Deutschland gleich viel/wenig Armut geben und warum sollen Gegenden ohne Arbeit nicht “veröden”?
Es sind nicht alle Bürger gleich, es sind nicht alle Regionen gleich – weder historisch (Kriegsschäden, DDR, Erfinder, …), noch naturgegeben (Kohle, Meer, blühende Landschaften, …) – und es sind auch nicht alle Bundesländer in unserer föderalen Struktur gleich. Es ist auch nicht möglich alle Komponenten hier zu egalisieren – wieder: warum sollte man es auch versuchen?
Ich trete nicht nur bei Hautfarben, Sexualität, Religion und anderen klassischen Diskriminierungsmerkmalen für Diversität ein, sondern auch hier.
Nun können Kinder natürlich nichts dafür in welche Gegend, in welche Familien sie geboren werden – weder bei den Armen noch bei den Reichen. Geburt ist eine Lotterie und wird es immer bleiben.
Der Staat kann ebensowenig etwas dafür, dass nicht jeder Tag mit einer grünen Wiese beginnt, sondern Strukturen gewachsen sind. Soll der Staat einen Daimler nach Brandenburg zwangsumsiedeln, einen BMW nach Mecklenburg? Der Hamburger Hafen lässt sich ebensowenig umsiedeln, wie die schwäbische Fleiß-Kultur.
Letztendlich ist es richtig vom Staat gewisse Rahmenbedingungen zu fordern, welche eine möglichst große Chancengleichheit erzeugen – durch Kindergarten, Schulen, Bibliotheken, freie Wohnsitz- und Arbeitsplatzwahl und unzähliges mehr.
Trotzdem bleiben Bereiche, in welche der Staat sich nicht einmischen kann, darf und auch nicht soll. Wenn Bildung in einer Familie verpönt ist, ist es nicht Aufgabe des Staates der Familie die Kinder wegzunehmen und in Aufzuchtzentren zu gebildeten Bürgern großzuziehen, welchen es besser gehen kann, als ihren Eltern. Dann spielt auch die Veranlagung der Kinder eine untergeordnete Rolle – doch allein die sorgt schon dafür, dass nicht alle gleich sein können.
Zusammenfassend finde ich es nicht verwerflich, wenn es ein regionales Armutsgefälle gibt und halte es für sinnvoll, wenn der Staat seine Investitionen auf Gegenden mit entsprechendem Potential (d.h. aber auch noch nicht realisiertem Erfolg) konzentriert anstatt mit dem Zerstäuber überall nur für etwas feuchtere Luft zu sorgen. Das Bundesgebiet muss nicht zwingenderweise in jedem Winkel bewohnt sein, oder?
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Armut, Deutschland, Studie