Oli hat das bedingungslose Grundeinkommen für sich entdeckt und wirbt für eine entsprechende Petition. Dabei nimmt er als Basis einen ausführlichen und doch plump einseitigen Werbefilm.
Der empfohlene Film arbeitet mit dem plakativen Schüren von Ängsten. So wird zum Beispiel der Ersatz der menschlichen Arbeitskraft durch maschinelle Arbeitskraft als realgewordenes Horrorszenario vorgestellt. Auf der anderen Seite ignoriert er die aktuelle Realität eines Grundeinkommens namens Arbeitslosengeld II, wodurch eben der geforderte Ausgleich entsteht für Menschen ohne Arbeit. Der Haken: es ist nicht bedingungslos und fordert die Geförderten.
Ich sehe unter anderem folgende Probleme beim Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens:
1. Umsetzbarkeit
Eine Systemänderung ist in einem geschlossenen System relativ einfach herbeizuführen. Tatsächlich sind wir aber schon lange nicht mehr in einem geschlossenen System. Durch unsere tiefe besonders wirtschaftliche Integration in die Europäische Union sind wir sogar Bestandteil eines weit größeren Systems, welches unsere Veränderung ebenfalls gewisse Grenzen setzt. Ich glaube daher nicht, dass sich das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland oder einzelnen anderen Ländern der EU so einführen ließe, sondern höchstens als paneuropäisches System.
2. Verantwortung
Wenn jeder ein Grundeinkommen bedingungslos bekommt, so bekommt der Einzelne nicht nur eine enorme Freiheit, sondern auch Verantwortung. Vor allem die Verantwortung damit für sich selbst zu sorgen. Viele würden mit dieser Verantwortung nicht umgehen können. Da wird dann alles versoffen und sich weiter verschuldet. Spielt ja alles keine Rolle, das Geld fließt weiter.
Und irgendwann tritt ein Fall ein, in welchem das System vor der Wahl steht den Menschen wirklich im Stich zu lassen oder ihn weiterhin aufzufangen und damit sich selbst ad absurdum zu führen – dann würde das bedingungslose Grundeinkommen nur zu einer weiteren unnötigen Bürokratieschicht mit einem weiteren sozialen Netz unter sich.
3. Motivation
Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde zwar im ersten Schritt tatsächlich finanzierbar sein und dann doch den Staat in die Krise führen. Das hat damit zu tun, dass durch die mangelnden Anreize sich an der wirtschaftlichen Leistungserbringung zu beteiligen, die Wirtschaft stark gebremst werden würde und so die Leistungsfähigkeit des gesamten Landes zusammenfallen würde. Eine Rezession wie sie aktuell nicht vorstellbar ist, stände bevor und würde das Land umso mehr lähmen und in einen Teufelskreis führen.
Wer Arbeit nur als Mittel zur Einkommenserwerb versteht, verkennt die volkswirtschaftliche Bedeutung. Diese Komponente bzw. Entwicklung wird auch in den Modellrechnungen zum bedingungslosen Grundeinkommen vergessen wird. Dabei wird mindestens ein weiteres Bestehen des Status Quo der Wirtschaftskapazität unterstellt.
Ich präferiere das sozialliberalere und weniger radikale Urspungskonzept des bedingungslosen Grundeinkommen: die negative Einkommenssteuer.
Bezüglich der Trennung von Arbeit und Einkommen, halte ich es mit der Regel 12 aus den Ferengi Rules of Acquisition:
Anything worth doing is worth doing for money.
Und wenn niemand bereit ist dafür zu zahlen, ist es nicht “worth doing”.
February 16th, 2009 at 14:02 by Martin Hiegl |
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