Auch heute blieben wir zu einem großen Teil in den Schwarzhügeln. In der Mitte und im Süden befinden sich zwei Parks: der Custer State Park und der Wind Cave National Park.

Eigentlich führt von Custer aus ein Highway ziemlich direkt in den SP, um jedoch den Needles Scenic Byway voll mitzunehmen, sind wir wieder einen kleinen Umweg gefahren. Die Needles sind die Felsformationen, für welche die Black Hills vor allem bekannt sind. Das sind viele phallische oder auch nadelförmige Felsen, die dicht aneinander in den Himmel ragen – sehr beeindruckend. Anschließend kann man direkt mit dem Wildlife Loop weitermachen, dessen Namen zuerst mehr versprach, als gehalten wurde. Bis auf Antilopen und Eseln sahen wir da nichts.

Als wir dann im Süden den Park verlassen wollten, überraschte uns hinter einem Hügel allerdings eine riesige Bisonherde auf Wanderung. Deutlich über hundert Tiere mit vielen Kälbern zogen nicht nur vor uns vorbei, sondern wir hatten das Glück/Pech mitten drin zu landen. Wenn dann so ein riesiger Bulle direkt nebem Auto steht, da wird einem schon etwas mulmig und man macht das Fenster lieber zu. Eine Kuh fand es toll einige Minuten an unserem Kühlergrill zu lecken, während sich von hinten ein Jungbulle am Auto rieb. zum Glück haben seine Hörner keinen Spuren hinterlassen. Es hat bestimmt eine halbe Stunde gedauert, bis wir durch waren bzw. weiter konnten.

Der Wind Cave NP bezieht sich wie der Name schon sagt auf eine zentrale Attraktion – die Wind Cave. Der Name kommt vom natürlichen Eingang, einem kleinen Loch, bei welchem schon den Indianern auffiel, dass der Wind durchpeift. Darunter verbirgt sich eines der größten und komplexesten Höhlensystemen der Welt, welches weltweit auch die meisten “Boxwork”-Erscheinungen bietet. Dafür gibt es quasi keine Stalakniten oder -titen. Diese Boxwork-Dinger sind nur aus einem dutzend anderer Höhlen bekannt und ist durch härtere Stein-/Mineralstrukturen in den normalen Steinzwischenräumen enstanden, welche durch die relativ schwachen Säuren nicht aufgelöst wurden im Gegensatz zu den normalen Steinen außenrum. Oder so.

Die anderthalb Stunden Führung waren außerordentlich interessant und ich hoff von meinen available-light Bildern ist das ein oder andere etwas geworden. Beim Verlassen des Parks trafen wir auf eine weitere große Bisonherde auf Wanderung. Dieses Mal zum Glück vor uns und die meisten hatten die Straße auch schon überquert. Vermutlich werden das die letzten Bisons auf unserer Reise gewesen sein, abgesehen von Hackform auf einem Weckle mit Käse, Tomate, Zwiebel und Pickle natürlich.

Eigentlich ist unsere Tour nördlich von Denver damit abgeschlossen. Da wir noch eine Woche haben, hatte Jule aber einen Wurmfortsatz des Roadtrip im Süden geplant. Unser nächstes Ziel liegt also knapp 1.000 Kilometerim Süden, was etwas über 9 Stunden Fahrt bedeutet. Wir hatten uns nicht festgelegt, ob wir nach den zwei Parks in Hot Springs bleiben oder weiterfahren, entschieden uns ab für letzteres. So haben wir heute noch knapp 400 Kilometer nach Cheyenne, der Hauptstadt von Wyoming, zurückgelegt. Das Super8 wollte hier über 180 Dollar für die Nacht. Da hab ich abgewunken und beim Luxury Inn um die Ecke zahlen wir jetzt nur die Hälfte – leider ohne Internet.

Für heute hatten wir uns den westlichen Teil der Gegend vorgenommen – die Black Hills, ein heiliger Ort für die Lakota. Die Amis haben zwar keinen Schwarzwald, aber dafür schwarze Hügel. Der heutige Tag markierte zugleich auch zwei Meilensteine: nun ist es nur noch eine Woche Urlaub umd wir haben die 4,000 Meilen überschritten.

Als Einführung hier empfahl der Reiseführer das Journey Museum in Rapid City. Dort wird von der Entstehung der Gegend bis zur Moderne (z.B. Erster Weltraumflug mit Ballon) die Geschichte erzählt. Besonders gut ist es für Kinder mit vielem zum anfassen und spielerisch fahren. Für uns war es Indianer-Museum Nummero 3. Da wir schon um halb 10 dort waren und der Reiseführer 10 als Öffnungszeit auswieß warteten wir ‘ne viertel Stunde davor, bis wir merkten, dass es doch schon offen hatte. Doh.

In die Black Hills haben wir einen Umweg genommen um die Iron Mountain Road fahren zu können. Das ist ein Scenic Drive, der von Südosten an den Mt Rushmore heranführt und auch schon aus der Ferne einen tollen Blick auf den Berg bietet.

Die Besichtigung des Mt Rushmore ist kostenlos, allerdings verlangen die für’s Parken 10 Dollar pro Fahrzeug. Schon toll wie die diese Gesichter in den Fels gesprengt haben. Ob’s wirklich nötig war die Natur mit soviel Gewalt zu verändern, lass ich mal dahingestellt. Naja, wie in einem vorherigen Beitrag schon gesagt: über die Jahrtausende und -millionen wird sie sich selbst drum kümmern.

Nachdem der weiße Mann seine Helden in heiligem Black Hill Stein verewigt hatten, wollten die Lakota Elders das nicht auf sich sitzen lassen. So fing das Projekt an ihren Helden Crazy Horse x-mal größer und heroisch posiert mit Gaul in einen nahen Berg zu sprengen. Das soll alles aber durch Privatinvestitionen und -spenden finanziert werden – der Architekt gehörte zu den Gegnern von staatlicher Steuerung/Besteuerung/Einmischung. Aus diesem Grund muss man hier sogar 10 Dollar pro Person blechen.Vom Denkmal hat man dafür (noch) nicht viel. das Gesicht ist fertig, ansonsten nichts. Dafür wird eines der größten Indianer-Museen mit extrem vielen gebrauchten Originalteilen geboten. Das 4. für uns und von den Ausstellungsstücken her war es auch das beste.

Dass wir für die Nacht im Best Westen in Custer bleiben würden, war für uns klar. Als Attraktion in der Nähe gibt es noch die Jewel Cave, eine Höhle mit vielen Edelsteinen. Leider kamen wir für eine Besichtigung zu spät bzw. anderthalb Stunden zu früh. Deshalb ging es für uns nur durch die Austellung des Visitor-Centers.

Gut erholt starteten wir heute mit einer kleinen Tour durch die Westernstadt Deadwood zur Broken Boot Goldmine. In dieser Mine wurde tatsächlich unter Kerzenlicht mit Hammer und Meisel Gold abgebaut, allerdings war die Ausbeute äußerst mager. Bei nicht mehr als zwei Ounzes pro Tag war sie nicht lange unter Betrieb. Tatsächlich wurde während der Zeit auch mehr Geld mit Scheingold verdient, da das an andere Minen zur Prozessiedung von deren echtem Gold verkauft wurde. Dann im ersten Weltkrieg war das viele Schwefel und Eisen aus der Mine interessant, so dass sie bis 1918 nommal mit bis zu 40 Hammerern und Meiselern unter Betrieb war.

Leider war das Wetter extrem trüb-schwül und wir überlegten uns ob wir an unseren Tagesplänen da nicht etwas anpassen sollten. Als nächste Station stand abere sowieso Rapid City, wo wir auch die Nacht verbringen werden, auf dem Programm. Dort empfahlt der Reiseführer einen Indianer-Kunst-Laden “Prairie Edge”. Zentral in der Stadt bietet der Laden beeindruckende, aber nicht unbedingt günstige, indianische Kunst – vom Schmuck bis zur vollen Kleidung.

Trotz des Wetters wollten wir den Tag aber nicht schon wieder im Museum verbringen und sind deshalb weiter Richtung Badlands NP. Dem NP vorgelagert ist ein kleines Städtchen namens Wall, was gleichzeitig die Übersetzung für die indianische Bezeichnung der Badlands ist. Wenn man von Süden hochschaut, dann erscheinen sie wie eine unüberwindbare Mauer mitten in den Graslands. Auf jeden Fall gab es dort einen kleinen, nicht besonders erfogreichen Drug Store, der dann zu einer Attraktion gepimpt wurde. Muss man gesehen haben … bestätigt alle Vorurteile, die man nur so haben kann ;-) .

Die Badlands sind beeindruckend. Vor 65 Millionen Jahren oder so ist das Meer hier verschwunden und dann kamen ein paar Hundert Meter Ascheschicht von dem Yellowstone-Vulkan und dann noch andere Schichten und dann x Klimaveränderungen und Erosionen und pipapo und schon hat man eine ungewöhnliche Mondlandschaft. Endlich konnten wir auch ein Bild von einer Antilope machen. Von den Bisons haben wir hier ab nur braune Haufen gesehen. Inzwischen waren wir Temperaturmäßig in den 90ern (30ern) und das ohne direkte Sonne, sondern unter einer Wolkendecke. Ächz.

Zurück gefahren sind wir nicht mehr über die Interstate im Norden, sondern den älteren Highway im Süden des NP. Sowohl auf der Hin- als auch der Rückfahrt fährt man da durch das Buffalo Gap National Grasland, den westlichen Rand der Great Plains. Dort bekommt man eine kleine Vorstellung der unendlichen Weiten selbiger. Einmal sind wir sogar durch einen glücklichen Heuschreckenschwarm gefahren. Glücklich deshalb, weil wir über die anderen Schwärme einfach drüber gefahren sind – der Highway war voll mit von per Flugzeug veteilten Pestiziden getöteten Hoppern.

Zurück in Rapid City und eingecheckt im lokalen Super8, wollten wir uns mit einem guten Dinner belohnen. Dazu sind wir wieder in die Innenstadt zum Firehouse Brewing Co. Die brauen selbst nach Tschechischer Tradition und bieten anständige amerikanische Küche. Getrunken habe ich ein Wilderness Wheat – es fängt etwas fad an (kann auch an der Temperatur liegen) und wird am Ende extrem hopfig mit langanhaltendem Abgang. Dazu hatte ich einen Büffelburger mit Smoked Chedar und Jule zu ihrer Coke Chicken Fajitas. Zum ersten Mal entschlossen wir uns auch ein Dessert zu gönnen. Mein Tiramisu war ca 4cm hoch und ein gleichschenkliches Dreieck mit 15cm Schenkellänge – ich hab nur die Hälfte geschafft. Jules Brownie war ca 10 qcm auf 3cm hoch mit einer Eiskugel mit ca 6cm Durchmesser – sie musste ebenfalls nach der Hälfte aufgeben. Uh.

Prairie Dog

July 21, 2010 15:26 pm · 0 comments



Prairie Dog, originally uploaded by mwhiegl.

Colorado, Wyoming, Utah, Montana … heute kam der fünfte und letzte Bundesstaat der Tour auf die Liste: South Dakota. Nach den letzten, heftigen Tagen und der Zeit, die wir dabei gut gemacht hatten, haben wir uns vorgenommen es heute ruhig angehen zu lassen. Somit stand lediglich der Besuch des Devil’s Tower und die Weiterfahrt bis Deadwood auf dem alten Highway 14 durch einen malerischen Canyon auf dem Programm.

Devil’s Tower ist eine seltsame Erscheinung – da steht plötzlich ein Steinzylinder mitten in der Landschaft rum. Für viele Indianer war und ist dies ein besonderer, heiliger Ort. Entstanden ist das Gebilde vermutlich durch eine erstarrte Magmakammer eines Vulkans. Über die Jahre ist die Erde und das weiche Gestein außenrum weggewaschen worden, so dass nur noch der Turm stehen blieb.

In Spearfish haben wir dann gemütlich bei Applebee’s ein sehr spätes Mittagessen zu uns genommen. Die Interstate mussten wir sowieso verlassen um durch den Spearfish Canyon nach Deadwood zu kommen. Deadwood schließlich ist ein altes Goldgräberstädtchen, dass sich inzwischen zu einem Spielerparadies gewandelt. Morgen versuchen wir aber noch etwas vom Goldgräberflair mitzubekommen. Für heute mussten wir erstmal nach einer Unterkunft suchen. Die ersten beiden Motels waren voll, jetzt haben wir ein nettes Zimmer beim lokalen Best Western bekommen.

Nachdem wir bereits gestern einen halben Tag eingespart hatten, summierte sich das heute auf anderthalb Tage auf. Daran sieht man wie schwer es ist so eine Tour präzise zu planen, wenn große Strecken zu einzelnen Attraktionen zurückgelegt werden.

Von Big Timer ging es heute morgen ausgeschlafen weiter nach Cody. Nach zwei Stunden Fahrt hatten wir das Städtchen und unser Ziel darin erreicht: das Buffalo Bill Historical Center. Dort sind für 15 USD Eintritt pro Person (whoa!) vier Museen und eine Galerie enthalten.

Gestartet haben wir mit dem Firearms Museum, welches nicht nur eine riesige Waffensammlung ist, sondern auch die Entwicklung der Feuerwaffen nachzeichnet und eine große Jagdtrophäensammlung mit ausgestopften Tiervorderhälften und -köpfen ausstellt. Endlich weiß ich wie (langweilig) Old Shatterhands Henry-Stutzen aussieht.

Als nächstes sind wir durch die Kunstaustellung. Ganz nett. Interessanter war auf jeden Fall das darauf folgende Indianermuseum. Ehrlich gesagt macht mich das jedes Mal beklommen, wenn ich den systematischen Genozid an den Indianern so nah erfahre. Ich bin froh, dass inzwischen immer mehr Stämme und ihre Angehörigen versuchen Traditionen wieder aufleben und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Das nächste Museum war sozusagen Kern des Zentrums – Buffalo Bill und sein Wild West. Das war der Name seiner Show. Er scheint ein interessanter Mensch gewesen zu sein, ein “true American hero”, der schon früh für Dinge wie Gleichberechtigung Indianer oder auch Frauen eintrat und ganz klar “den Weißen” die Schuld an den Indianerkriegen zuwies. Um ihm herum sammelten sich dann weitere interessante Menschen, wie z.B. Ann Oakley.

Zum Schluß bot das Zentrum noch ein Museum rund um den Yellowstone National Park mit Fokus auf der Tierwelt. Da wir das schon live gesehen hatten, war das nur für manche Details nett.

Nun war es erst kurz vor zwei und so entschieden wir weiter zu fahren. Ich wollte noch kurz bei ‘nem ATM vorbei und habe zum ersten Mal ein Drive Through ATM ausprobiert – Sachen gibt’s.

Um drei waren wir dann an der Bighorn National Recration Area, ein Park, der sich entlang der Canyons des gestauten Bighorn Rivers befindet und ungewöhnliche, abwechslungsreiche Landschaften bietet. Neben Wildpferden haben wir auch weibliche Bighorns gesehen, aber leider keinen Bock. Trotz Sonnenschein hat es gestürmt wie die Sau und wir hatten Schwierigkeiten die Autotür gegen den Wind aufzubekommen bzw. -halten.

Passend hier eine Beobachtung: in den USA gibt es ÜBERALL ein Klo. Jeder Trailhead, jeder Aussichtspunkts, jede Piknikarea, jeder Autobahnrastplatz, … hat sein eigenes Häuschen mit durch einen Sitz gepimptes Plumpsklo inklusive Klopapier und Instant Hand Desinfection Zeugs. Passend deshalb, weil dieser gestaute Fluß für Bootsfahrten usw. genutzt wird und dort unten tatsächlich ein Floß mit Klohäuschen für die Besucher auf dem Wasser wartete.

Als wir zwei Stunden später wieder raus kamen, hatten wir eine schwere Entscheidung zu treffen: halbe Stunde zurück nach Powell fahren, im Kaff vor Ort in einem zwielichten Motel absteigen oder zwei Stunden weiter nach Sheridan fahren. Jule hat sich für Sheridan entschieden.

Die Fahrt führt über das Bighorn-Gebirge, welches das Bighorn-Basin nach Osten hin abgrenzt. Die Strecke den Berg hoch war atemberaubend. In der Ferne konnten wir sogar die Berge vor dem Yellowstone-Basin ausmachen – leider war es zu diesig um sie genau zu sehen. Meilenweit streckte sich die Landschaft vor uns aus.

Beim Schlenker zum lokalen Medicine Wheel, ein antiker (prä-Indianer) Steinkreis, dessen Bedeutung heute unbekannt möglicherweise aber vergleichbar zu Stonehenge ist, kam uns vom Osten ein Wolkenfeld entgegen. Das senkte sich dann auf den Berg runter und plötzlich sahen wir nichts mehr. Schon davor war es ulkig als einen Meter über dem Auto die Wolke und damit Sichtbarriere begann während ringsrum noch alles klar war. Fast die gesamte Strecke den Berg runter begleitete uns die Wolke. Erst am Fuß der Berge hatten wir wieder Sonnenschein.

Insgesamt waren das dann 350 Meilen, die wir heute zurückgelegt hatten, mit 3 Stunden in Cody und 2 Stunden in der Bighorn NRA. Zum Abendessen gönnte ich mir ein Flat Iron (war etwas zu durch) und ein ungewöhnliches Weizen-Ale aus Portland – irgendwas mit Top/Pod/Pad/Tab oder so. Jule hatte Steak Stroganoff. Nun ist es aber Zeit im lokalen Super8 Motel neue Energie für morgen zu tanken.

Nachdem wir bereits gestern im Südosten des Glacier NP waren, blieb für heute noch der Nordosten – Many Glacier. Dort kann man sehr viel Wandern, wir hatten uns aber nur eine kurze 2-Meilen-Tour vorgenommen. Als wir den Trailhead (mal wieder) nicht gefunden haben, haben wir uns so ein schönes Plätzchen für’s Muffinfrühstück gesucht. Als ich die nahen Wasserfälle fotografierte, fiel Jule auf wie ein Wanderer seinen Weg etwas komisch verließ und den Berg gerade runter anstatt weiter lief. Ein Bär. Ein Grizzly. Jay! Die Bilder aus der Begegnung haben für die verpasste Wanderung mehrfach entschädigt.

Unser nächstes wichtiges Ziel ist Cody knapp 500 Meilen im Süden. Als Station unterwegs hatten wir lediglich das Indian of the Plain Museum in Browning geplant und dann irgendwo ein Stopp für die Nacht. Das Museum war zwar recht klein, aber sehr interessant und beeindruckend mitlautere original Auststellungsstücken – dabei auch ein Skalp. Der Shop hatte leider nicht besonders tolle Souvenirs, aber ich hoffe da später nochwas indianisches zu finden. Cowboy-mäßig bin ich ja seit Kalispell ausgestattet. ;-)

Der Rest des Tages war dann im Prinzip Autofahrt – wunderschön auch durch den Lewis & Clark National Forest. Fahren ist hier so entspannt mit gerader Straße, keinem Verkehr, Tempomat und toller Landschaft. Tankstellen fährt man allerdings in erst Linie nicht wegem Sprit, sondern zum Frontscheibe abwischen an. Wir sind knapp 350 Meilen bis nach Big Timber gefahren und bleiben für die Nacht im Super8 Motel. Die Kette scheint recht gut und auch günstig zu sein.

USA – Tag 16 – Glacier NP

July 18, 2010 4:58 am · 0 comments

Nein, wir sind immer noch nicht verschollen, sondern übernachten nur in einer Cabin im Rising Sun Motor Inn im Glacier NP und damit latürnich wieder ohne Wifi. Die Cabin ist dennoch deutlich komfortabler als zuletzt im Teton und das Duschwasser hatte sogar eine konstante (, warme) Temperatur.

Heute haben wir einmal den Glacier NP von West nach Ost auf der Going to the Sun Road durchquert. Mit unserer Entscheidung die Tour so rum zu machen, hatten wir Glück. Wir waren die ganze Zeit auf der dem Abgrund Ausblick zugewandten Straßenseite und Jule konnte bei dem langsamen Tempo sehr gut Bilder aus dem offenen Fenster machen.

Der Glacier NP zeichnet sich durch seine eigentlich nicht besonders hohen, aber tief zerklüfteten und zahlreichen Bergketten aus; und natürlich die Gletscher, aber davon hat es auch nur noch knapp 30 und bisher haben wir nur zwei gesehen. Tiertechnisch konnten wir heute nur einem Bergziegenbock Grüß Gott sagen. Außerdem scheint der ganze Park unter einer Fliegenplage zu leiden – wenn es hier nicht sonst so schön wäre, würde ich diese lästigen Brummer für Vorboten der Apokalypse halten (7 Plagen und so).

Die Tour beginnt idyllisch am Lake McDonald. Dort gibt es auch immer wieder Stops um zum Beispiel Wasserfälle oder Stromschnellen des dazugehörigen Flusses zu bewundern. Relativ am Ende des Tal ist der Avalanche Trailhead, von dem man 2 Meilen zum Avalanche Lake wandern kann (und zurück).

Wir haben das mit dem direkt vorgelagerten Trail of the Cedars kombiniert. Der führt durch den nordischer Urwald mit sehr hoher Feuchtigkeit und Roten Zedern als dominierendes Gehölz. Durch diese Bedingungen hat es dort vermutlich seit mindestens 500 Jahren nicht mehr gebrannt und entsprechend alt sind die Bäume. Die Wanderung gab mir auch die Gelegenheit meinen Hut zum ersten Mal richtig auszuführen. ;-)

Der Avalanche See ist ein typischer Bergsee, gespeist vor allem von Schmelzwasser mit grandiosem Panorama. Da der Weg vor allem durch den Wald führt und nur 500 Höhenfuß bewältigt, ist er sehr angenehm zu gehen und eine klare Empfehlung.
Den Logan Pass über die Berge kann ich hier nicht angemessen Schildern. Am Besten lasst ihr euch mal Bilder mit den zahlreichen Panoramen, Bergen, Wasserfällen, Schneefeldern usw. usf. von mir zeigen.

Da wir durch unseren frühen Start in den Tag auch schon früh am St. Mary Lake waren, haben wir uns entschieden den Ausflug in den Südosten des Parkes zu Two Medicine vom morgigen Tag vorzuziehen. Nach einer Vesperpause, sind wir also weiter gefahren. Auch dort unten bieten sich tolle Blicke über Berge und Täler – vor allem wieder ganz anders als im Westen des Parks. Beim Two Medicine Lake haben wir dann eine Weile die Sonne genossen und sind auf der Rückfahrt noch beim xyz Eagle Fall vorbei. Der Wasserfall ist beim aktuellen Wasserstand sozusagen unterfelsig und kommt direkt aus der Felswand.

Heute abend hatte ich endlich die Möglichkeit Moole Drool zu probieren. Das ist ein dunkles Ale und vor allem in (West-?)Montana verbreitet. Im Geschmack ist es – wie für ein Dunkles typisch – recht malzig, aber doch rund und durch die amerikanische Art es eiskalt zu trinken in keinem Moment zu intensiv als Beigetränk beim Essen. Gegessen dazu habe ich eine Elk-Wurst. So eine Art etwas gröbere Rote … aus Elk-Fleisch.

Den aktuellen Bericht beginne ich mal mit einem kleinen Zitat

Arrive alive, don’t text and drive!

Jupp, es ist wirklich so. Während wir in Deutschland noch über’s Telefonieren am Lenkrad diskutieren, ist man hier schon weiter. Telefonieren ist selbstverständlich, das SMS schreiben während dem Fahren, macht den Behörden Sorgen.

Wie gesteren geschrieben, mussten wir heute einen Tag ungeplant im Flathead Valley verbringen. Noch gestern haben wir uns nach Möglichkeiten umgeschaut und uns für einen Besuch bei Western Outdoor, dem Hungry Horse Dam und einer Tour um den Flathead Lake entschieden.

Western Outdoor ist ein Cowboy-Laden und bietet anscheinend eine der größten Auswahlen an Cowboy-Stiefeln und -Hüten in den USA an. Schon die ganze Zeit nerv ich Jule damit, dass ich einen Cowboy-Hut will. Das war die Chance. Nach bestimmt zwei dutzend anprobierten Hüten, hab ich mich für einen tollen Stetson entschieden. Uli hat sich dann zuerst die Stiefel angeschaut und nachdem sie sich immer weiter vertiefte, hab ich auch angefangen anzuprobieren. Jetzt hat auch noch jeder von uns ein Paar orginal Cowboy Boots. Zum Schluß haben wir über anderthalb Stunden im Laden verbracht und ein halbes Vermögen liegengelassen. Wenn ihr in der Gegend seid ein Muss!

Von Kalispell weiter Richtung Glacier NP kommt man zu Hungry Horse, einem Kaff, fokussiert auf die Durchreisenden zum NP. Gleichzeitig ist dort ein Damm, der die Hungry Horse Recreational Area aufstaut und damit zum einen für Strom und zum anderen für weniger bzw. keine Überflutungen sorgt. Wir sind den Stausee ein Stück entlang gefahren und konnten einen noch nicht identifizierten Greifvogel beobachten wie sie ihre Jungen fütterte.

Nachdem wir gestern auf der Fahrt nach Kalispell bereits die Westseite des Flathead Lakes bewundern konnten, sind wir dann heute im Osten runter gefahren. Es war die deutlich schönere Seite und durch das Runterfahren, waren wir auf Seeseite und konnten die Idylle voll genießen. Flathead Valley ist für seine Kirschen bekannt … boy, haben die Kirschbaumplantagen hier. Noch sind sie nicht reif, aber in wenigen Wochen werden hier an jeder Ecke Kirschen feil geboten werden.

Unser Motel für heute (EconoLodge in Kalispell) scheint zwar ganz nett, hat aber wieder kein WLan.

Der heutige Tag markiert die Halbzeit. Je nach Einstellung kann man sagen, dass wir noch den halben Urlaub vor uns haben oder der halbe Urlaub schon vorbei ist. Der Plam war über den West-Eingang des Yellowstone den idyllische Highway 191 nach Norden zu nehmen, weiter auf die Interstate und einfach mal zu schaun, wie weit es uns trägt.

Tatsächlich lief das so gut und entspannt, dass wir den ganzen Weg nach Kalispell, kurz vor dem Glacier NP durchfahren konnten. Das war eigentlich unser Ziel erst für morgen, aber wir sagten uns untewegs, dass ein eingesparte Tag zum Beispiel bei Rushmore und Custer späte gut genutzt werden könnte.

Das war die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Aus dem Best Western vor Kalispell habe ich unsere einzige verbliebene Reservierung für übermorgen angerufen und gefragt ob wir die Nacht vorverlegen könnten. No chance, alles ausgebucht … Deswegen hatten wir ja reserviert in the first place.

Ärgerlich, aber uns wird auch hier nicht langweilig werden, wobei wir die nächste Nacht nicht mehr im luxeriösen Best Western bleiben werden. Nach der Woche Nationalparks tat der Luxus mit Spa und anständiger Dusche heute abend richtig gut, aber für jede Nacht wollen wir uns das dann doch nicht leisten.

Da es heute nicht mehr zu erzählen gibt, ein paar Beobachtungen:

  1. Amerikaner essen komische Sachen, wie zum Beispiel Chili Cheese Fries.
  2. Amerikaner trödeln entweder oder fahren zu schnell, nutzen aber niemals einen Tempomat um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu halten.
  3. Amerikaner sind Kurven-, Bergab-, Geraden- und Bergaufbremser. Das allein macht die Nutzung eines Tempomats natürlich schwierig.
  4. Amerikaner lassen Dinge, die sie nicht mehr brauchen einfach in der Gegend stehen und verrosten, vergammeln und zusammenfallen: Autos, Busse, Häuser, …
  5. Amerikaner halten Lamas mit ihren Schafen.