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Isländer Isolation

Ein genialer Satz im SpOn Artikel zur Stimmung der Isländer beim Referendum in Island:

Die Isländer [...] fragen [..] sich, weshalb sie für die Versäumnisse ihrer früheren Regierung zahlen sollen.

Die einfache Antwort wäre: weil ihr eure frühere Regierung gewählt habt, weil diese euch vertreten hat. Tatsächlich bedeutet diese Vorstellung, dass quasi der Staat alle x Jahre mit einer neuen Regierung neu beginnt und die Verträge usw. einer Vorgängerregierung nichts wert sind die internationale Isolation eines Staates. Das könnte Islands Bestreben Teil der EU zu werden wieder deutlich zurückwerfen. Warum sollte die EU ein neues Mitglied aufnehmen, welches nicht bereit ist Verantwortung zu übernehmen? Wie verlässlich wäre ein solches Mitglied im Staatenbund?

March 7th, 2010 at 12:23 by Martin Hiegl | No Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: EU, Finanzkrise, Island

Der Zusammenhang zwischen Spenden und Politik

Die SPD drängt die FDP ihre Millionenspende der Substantia AG zurückzugeben um nicht den Verdacht der Bestechlichkeit aufkommen zu lassen – womit die SPD unterschwellig den verdacht natürlich schüren will.

Lasst uns wie üblich hier (zumindest versuch ich das) die Sache logisch betrachten. Zum einen ist erstmal die Frage, welche Politik Parteien betreiben. Parteien betreiben die Politik ihrer Anhänger und Wähler. Nun ist die Stimme bei einer Wahl nicht die einzige Unterstützung, die ein Anhänger seiner Partei zukommen lassen kann. Neben der Mitgliedschaft gibt es auch die Hilfe im Wahlkampf, das Schreiben von Kommentaren und nicht zuletzt auch die finanzielle Unterstützung. Um es nochmal hervorzuheben, finanzielle Unterstützung bekommen Parteien (üblicherweise) von ihren Anhängern. Und damit schließt sich der Kreis: Parteien betrieben Politik für ihre Anhänger und Parteianhänger unterstützen ihre Partei durch u.a. Geld. Es besteht damit ein klarer Zusammenhang der Politik einer Partei mit ihren Geldspenden – die Parteianhänger.

January 17th, 2010 at 20:55 by Martin Hiegl | 1 Comment
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: FDP, Politik, SPD, Spenden

Die Kundunz-Kampagne

Eigentlich dachte ich, ich müsste nichts mehr zur Kunduz-Affäre schreiben, aber wenn SpOn so frech lügt

[...] Die Handlungen von Klein und seinen Offizieren, so der Befund, “verhinderte in der Folge eine frühzeitige und möglichst objektive Information der militärischen und politischen Entscheidungsträger in Deutschland, aller beteiligten Isaf-Nationen, der Medien und der Öffentlichkeit”. [...]

Tatsächlich bezieht sich der Bericht mit dem korrekten direkten Zitat darauf, dass das On-Scene-BDA sehr spät war und der Ereignisort bis dahin deutlich verändert wurde. Das indirekte Zitat des Artikels ist gelogen, wie jeder selbst im auf Wikileaks veröffentlichten Dokument nachlesen kann.

Weiter stückelt SpOn hier einen Artikel zusammen, der in sich widersprüchlich ist. Auf der einen Seite zitieren sie Schneiderhan, wie er in der Zeit zugibt, dass Guttenberg nicht alle Dokumente vorgelegt worden sind und auf der anderen Seite stellen sie es weiter so dar, als ob es noch die zweite Version der Geschichte gäbe, dass der Verteidigungsminister alles bekommen hätte. Schneiderhan dagegen stört sich nur an dem Begriff “vorenthalten”, weil er meint, dass damit eine Absicht,  ein Vorsatz ausgedrückt sei, denn es nicht gegeben habe. Nun, wenn es kein Vorsatz war, dann war es Schlamperei – auch nicht besser und ein guter Grund für seinen Rücktritt. Wobei das für mich auch noch eine offene Frage ist – hat er nun um seine Entlassung gebeten (=Rücktritt) oder nicht?

December 16th, 2009 at 14:41 by Martin Hiegl | No Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Afghanistan, Artikel, Krieg, Kunduz, Schneiderhan, SpOn

Die Kunduz-Affäre

Es ist unglaublich wie viele Medien immer wieder und immer wieder das Gleiche über die so genannte Kunduz-Affäre berichten können. Neuer Satzbau und gut ist. Ich würde mich freuen, wenn man sich darauf begnügen könnte nur bei tatsächlich neuen Erkenntnissen hier wieder Schlagzeilen zu erzeugen.

Als Bewertung des Angriffs ist inzwischen wohl allgemein anerkannt, dass er nicht angemessen war. Das heißt aber nicht, dass er nicht vom Mandat des Bundestags gedeckt war. Bei der Lektüre des Original-Antrags (Drucksache 15/5996), der nun bereits das dritte Mal(?) verlängert wurde, fällt sofort die wachsweiche Formulierung auf. Dort ist nicht konkret festgehalten, wo die Grenzen des Einsatzes sind und was zum Beispiel die “Aufrechterhaltung der Sicherheit” oder “Sicherung des Arbeitsumfeldes” bedeutet. Nur eines ist explizit ausgeschlossen: die Drogenbekämpfung. Außerdem wird bei der Ermächtigung auf die UN-Resolution verwiesen:

Die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe ist autorisiert, alle erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Anwendung militärischer Gewalt zu ergreifen, um das Mandat gemäß Resolution 1623 (2005) durchzusetzen.

In dieser bzw den darin wieder referenzierten Vorgängerresolutionen 1386 (2001) bzw 1510 (2003) ist festgehalten (Hervorhebungen durch mich):

The Security Council, [...]

  • Determining that the situation in Afghanistan still constitutes a threat to international peace and security,
  • Determined to ensure the full implementation of the mandate of the International Security Assistance Force, in consultation with the Government of the Islamic Republic of Afghanistan,
  • Acting for these reasons under Chapter VII of the Charter of the United Nations,
    1. Authorizes expansion of the mandate of the International Security Assistance Force to allow it, as resources permit, to support the Afghan Transitional Authority and its successors in the maintenance of security in areas of Afghanistan outside of Kabul and its environs, so that the Afghan Authorities as well as the personnel of the United Nations and other international civilian personnel engaged, in particular, in reconstruction and humanitarian efforts, can operate in a secure environment, and to provide security assistance for the performance of other tasks in support of the Bonn Agreement;
    2. Calls upon the International Security Assistance Force to continue to work in close consultation with the Afghan Transitional Authority and its successors and the Special Representative of the Secretary-General as well as with the Operation Enduring Freedom Coalition in the implementation of the force mandate, and to report to the Security Council on the implementation of the measures set out in paragraph 1;
    3. Decides also to extend the authorization of the International Security Assistance Force, as defined in resolution 1386 (2001) and this resolution, for a period of twelve months;
    4. Authorizes the Member States participating in the International Security Assistance Force to take all necessary measures to fulfil its mandate;

Die “all necessary measures” ist von allen Staaten außer Deutschland bisher auch als das präventive Töten von Taliban verstanden worden. Jedenfalls kann man sagen, dass das präventive Töten von Taliban nicht nicht-gedeckt ist von dieser Resolution und damit auch nicht nicht-gedeckt ist vom Bundestags-Mandat. Das heißt aber nicht, dass es auch angemessen war – schließlich ist zwischen notwendig und angemessen auch nochmal ein Unterschied.

Die Frage ist wer über die Mittel und die Notwendigkeit zu entscheiden hat, wenn der Bundestag der Bundeswehr derart freie Hand lässt. Da liegt letztendlich die Verantwortung für den Angriff nicht nur bei Oberst Klein, der den Angriff offensichtlich als notwendig (und vermutlich auch angemessen) beurteilt hat, sondern auch beim Chef der ganzen Veranstaltung: dem Verteidigungsminister. Deshalb ist der Rücktritt Jungs und auch seiner nächsten zwei Stellvertreter angemessen (wenn auch nicht unbedingt notwendig ;-)).

Die aktuellen Angriffe auf Guttenberg auf der anderen Seite haben meines Erachtens vor allem Kampagnencharakter – viel Halbwahrheiten, Konjunktive, ominöse Quellen. Vor allem aus der linken Ecke wird hier mit allen Kanonen und Kanönchen auf den zur Zeit erfolgreichsten Politiker rechts der Mitte geschossen. Sie scheinen Angst vor ihm zu haben. Letztendlich war er zu dieser Zeit nicht im Amt und hat nachdem er umfassend informiert wurde eine falsche frühere Stellungnahme korrigiert. Wer glaubt, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf vollumfängliche Information durch ihn hier hätte, der täuscht sich gewaltig. Tatsächlich gibt es nur das Recht, dass die entsprechenden Gremien unserer gewählten Vertreter entsprechend informiert werden.

Als kleines Schmankerl zum Schluß. Der Untersuchungsbericht zum “Close Air Support KUNDUZ” durch die Feldjäger wurde auf Wikileaks veröffentlicht. Er gibt Aufschluss, dass hier alles andere als sauber und regelkonform gearbeitet wurde – etwas, dass man Oberst Klein hier auf jeden Fall vorwerfen kann. Er entlastet weiter die Politik, indem er von “einer durch die deutliche Veränderung des Ereignisortes verhinderten frühzeitigen und möglichst objektiven Information der militärischen und politischen Entscheidungsträger in DEU, der Medien und der Öffentlichkeit” spricht und hebt hervor, dass es “gegen die ISAF-Kräfte nicht nur keinerlei Vorwürfe von afghanischer Seite gab, sondern die durchgeführte Maßnahme hohen Zuspruch fand”.

December 15th, 2009 at 18:08 by Martin Hiegl | No Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Afghanistan, Guttenberg, Krieg, Kunduz

TV-Duell der Moderatoren

Über das gestrige TV-Duell der Kanzlerkandidaten gibt es inhaltich nur wenig zu diskutieren. Die Form aber, die Form verlangt nach einem lauten nachklingendem Aufschrei der Empörung und Enttäuschung. Wer nun sagt, 4 Moderatoren und zwei Kandidaten kann ja nicht funktionieren, liegt meines Erachtens völlig falsch. Tatsächlich ist das Scheitern der Form allein Schuld der persönlichen Inkompetenz der Moderatoren, sich auf das Format einzulassen.

Ein TV-Duell soll keine Talkschow sein, soll keine Inquisition sein, soll kein Boulevardinterview sein. Wenn der Redeanteil der Moderatoren in Summe quasi ebenso groß ist wie der Redeanteil der Kandidaten, dann haben die Moderatoren versagt.

Frank Plasberg versuchte sich geradezu aggressiv daran die Kandidaten zu provozieren. Schon die Eingangsfrage an Angela Merkel – warum Steinmeier schlechter sei als sie – zeigt kein Interesse an der inhaltlichen, sachlichen Auseinandersetzung der Kandidaten. So ging es auch weiter und nachdem Merkel nicht besonders souverän reagierte, schaffte er es später auch noch Steinmeier mit der Dienstwagenaffäre ins Fettnäpfchen zu locken. Das mag dem Ego eines Frank Plasberg gut getan haben – den Zuschauer, den Wähler hat es nicht weitergebracht und die Sendung, das Format ebensowenig. Auch seine Art a) die Kandidaten dauernd zu unterbrechen, was ihm eine Zurechtweisung der Kanzlerin brachte, und b) Suggestivfragen zu stellen bzw. Behauptungen aufzustellen, die dann in der Antwort erst korrigiert werden müssen, sind nicht nur schlechter Stil, sondern unverschämt.

Maybrit Illner hat gezeigt, dass sie bei ihren Talkshows bleiben sollte. Die erste Frage für mich ist, ob sie tatsächlich in Badeschlappen in die Sendung gegangen ist. Es sah zumindest so aus, wenn sie ihre großen Zeien hinter dem Podest hervorstreckte. Wenn sie zu Wort kam verfiel sie erstmal in einen 5 minütigen Monolog bevor eine verklausulierte Frage kam, bei deren Antwort sie die Kandidaten ebenfalls immer wieder unterbrach um ihren Monolog fortzusetzen. Wenn Sie sich so gerne sprechen hört, dann ist sie einfach eine Fehlbesetzung hier. Den Wähler interessiert nicht ihre Meinung zu den Themen, sondern die der Kandidaten.

Peter Kloeppel hat immer wieder erfolgreich das Niveau auf die Ebene, die er von seinen üblichen Zuschauern gewohnt ist, gesenkt. Ob sich die zwei Duzen spielt weder für eine gute Zusammenarbeit von ihnen, noch für die Wahl eine Rolle. Auch hier wurden die Fragen mit der eigenen Meinung und dem entsprechendem Spin versehen und bei der Antwort unterbrochen. Lernt man sowas auf den Journalistenschulen?

Achja, Peter Limbourg war auch noch dabei. Mehr ist bei ihm eigentlich nicht zu sagen und das traurige daran ist, dass er sich damit von allen Moderatoren am besten darstellte.

Unter’m Strich bleibt für die Bewertung der Kandidaten nur die Note ungenügend mit dem Prädikat unprofessionell. Die Moderatoren nahmen sich selbst viel zu wichtig und suchten eher den Wettkampf untereinander, als die Auseinandersetzung der Kandidaten. Hier wurde nicht mit diem Ziel moderiert ein interessantes Gespräch, Duell der Kandidaten herbeizuführen, sondern jeder wollte als erstes eine Story erzeugen, eine Show daraus machen. Dass Respekt vor der Kanzlerin und dem Außenminister da nur gestört hätte ist klar und doch auch ein Grund warum ich mich als Kandidat dem Theater nicht mehr aussetzen würde.

Für die Zukunft wünsche ich mir maximal zwei Moderatoren, welche sich in der Art und Weise, wie sie das Format gestalten an den TV Duellen z.B. in den USA orientieren. Dort wird auch nicht im geschlossen Studio gedreht, sondern mit – stillem – Publikum. Es herrscht ein respektvoller Umgang der Moderatoren mit den Kandidaten und der Respekt wird entsprechend erwidert. Es werden in der Regel kurze, sachliche und vor allem wertungsfreie Fragen gestellt und den Kandidaten die Gelegenheit gegeben auszusprechen und sich höchstens gegenseitig zu unterbrechen. Wenn ein Kandidat schwafelt greift der andere das auf und nicht der Moderator, so dass die Wähler später tatsächlich ein Gespräch der Kandidaten und nicht ein Gespräch der Moderatoren sehen konnten.

September 14th, 2009 at 11:05 by Martin Hiegl | 2 Comments
Posted in Politik und Gesellschaft · Tags: Fernsehen, Kanzlerkandidat, Moderation, TV-Duell, Wahl, Wahl2009

Support our Troops!

Heute lese ich den ersten Artikel über die Tanklaster-Bebombung in Afghanistan, welcher auch die Soldaten vor Ort zu Wort kommen lässt und nicht allein auf Stimmen hört, die nur entfernt etwas damit zu tun haben und wer weiß was für eine Agenda mit ihren Kommentaren verfolgen. Dabei werden wichtige Punkte nochmals erwähnt, die viel zu häufig viel zu leise in den letzten Tagen kommuniziert wurden. Ich versuche hier die Fakten mal aufzudröseln:

1. Es wurden zwei Tanklaster von Taliban entführt. Diese stellten als rollende Bomben eine große Gefahr für die deutschen Soldaten dar.

2. Der deutsche Oberst befahl nachts um ca 2:30 die Bombardierung der beiden Laster.

3. Es kamen viele Menschen um, die sich bei den Tanklastern befanden.

Nun wird a) über die Anzahl der Toten diskutiert und b) ob zivile Opfer dabei waren. Um das zu beurteilen weitere Fakten:

1. Es war nachts 2:30 Uhr in einem Kriegsgebiet.

2. Das nächste Dorf mit Zivilisten liegt einige Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt.

3. Es gibt Afghanen, welche eigentlich keine Taliban sind, aber für Geld selbige unterstützen. Das sind damit aber keine Zivilisten.

Mit diesem Wissen fragt mein natürlicher Menschenverstand, warum in tiefster Nacht Zivilisten kilometerweit von ihrem Bett entfernt im Kriegsgebiet sich mit taliban um Tanklaster scharen sollten – und dann auch noch dutzende. Dazu der Kommentar eines Soldaten vor Ort:

Dass die Taliban den Treibstoff aus den Tankwagen an die Bevölkerung der umliegenden Dörfer habe verschenken wollen, hält er für “Blödsinn”. “Die Taliban spielen doch nicht nachts um halb drei Robin Hood”, sagt Jörg K.

Und zuletzt noch die Reaktionen, welche er erfahren habe:

Der beste Beleg dafür, dass sein Kommandeur alles richtig gemacht hat, ist für Jörg K. der Jubel, mit dem er am Kunduz-Fluss begrüßt worden ist. Rund hundert afghanische Soldaten und Polizisten hätten stolz ihre Waffen in die Luft gestreckt, ihre Daumen gezeigt.

“Einige haben uns sogar Geldscheine zugesteckt”, sagt der Feldwebel und zieht ein fingerdickes Bündel Banknoten, Hundert-Afghani-Scheine, aus der Hosentasche. [...] Der Mullah im benachbarten Dorf habe sich zum Dank für die getöteten Taliban sogar vor ihnen verneigt und seine rechte Hand auf die Brust gelegt.

Danke SpOn für den Artikel und danke an all die Soldaten, die auch unsere Freiheit im Krieg gegen die Taliban in Afghanistan verteidigen.

Die Reaktionen aus dem Aus- und Inland, welche diesen Einsatz ohne Kenntnis aller Fakten, ohne vollständige Aufklärung, nun kritisieren, sind eine Frechheit.

September 8th, 2009 at 13:41 by Martin Hiegl | 6 Comments
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Wahl-o-mat zur Bundestagswahl 2009

Der Wahl-o-mat zur Bundestagswahl 2009 ist online. Die größten Übereinstimmungen habe ich wie erwartet mit der FDP. Der zweite Platz allerdings überrascht mich wirklich: die Piraten.

wahlomat09

September 4th, 2009 at 11:13 by Martin Hiegl | 4 Comments
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Unterschichtenarmee

Ich verstehe den Punkt, auf welchen Michael Wolffsohn in seinem Artikel zum Zustand der Bundeswehr aus der Welt hianus will. Nichtsdestotrotz verennt sich der Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehruniversität München hier ein bisschen. Schon seine Satz, dass Abiturienten unter den Offizieren unterrepräsentiert wären, um die Bildungsferne der deutschen Armee zu unterstreichen, ließ mich stutzen. Ich zitiere aus Wikipedia (bestimmt nicht zitatfähig für ihn):

Als Einstellungsvoraussetzung ist im Regelfall das Abitur oder eine in Bayern anerkannte Fachhochschulreife erforderlich.

Auch der Satz davor – Abiturienten kommen in der Regel aus wohlhabenderen Familien – hab ich so noch nicht belegt gesehen. Es ist korrekt, dass  ein Kind aus einer wohlhabenderen Familie eher auf’s Gymnasium kommt und Abitur macht – wenn man Wikipedia glauben schenkt  (ups, schon wieder) 85% der Kinder gegenüber 36% der Kinder aus nicht so wohlhabenden Familien.  Wenn es aber 2,36 mal so viele nicht wohlhabende Familien gibt, dann ist das in der absoluten Menge der Abiturienten schon wieder ausgeglichen. Bei aktuell schon deutlich über 30% Gymnasiasten aus einem Schuljahrgang halte ich das für nicht so unwahrscheinlich.

Im Kern hat er hier trotzdem recht – für bildungsferne Schichten bietet der Dienst in der Truppe einen relativ sicheren und attraktiven Arbeitsplatz und das wird entsprechend genutzt.

Etwas später im Artikel kritisiert er, dass sich 60% der jungen Männer dem Wehr- und Zivildienst und damit der Bürgerlichkeit entziehen würden. Tatsächlich ist es ja so, dass wir a) immernoch eine Wehrpflicht haben und die Zivildienstleistenden sich selbiger schon entziehen und dass b) die BW gar keinen Bedarf mehr an so vielen Wehrdienstleistenden hat, so dass die Politik z.B. durch Änderungen bei den Tauglichkeitseinstufungen die zur Verfügung stehenden Menge junger Männer bewusst verringert hat.

Ich selbst bin ein Beispiel dafür, dass die BW diesen Bedarf nicht mehr hat: ich hätte eingezogen werden können und wurde es nicht. Also habe ich angefangen meinen Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung der Bundesrepublik zu leisten und den Sold der Eingezogenen und der Freiwilligen mitzubezahlen. Achso, auch Herr Wolffsohn wird wohl aus dem Steuertopf bezahlt, den ich und die vielen anderen Entzieher mit füllen.

Als letzten Punkt ein Kommentar zu seiner Kritik, dass die Bundesweh nicht intellektuell genug wäre. Tatsächlich gibt es nur an Offiziere eine explizite Anforderung diesbezüglich. Eigentlicher Hintergrund für diese Aussage von ihm ist allerdings, dass er nur Geisteswissenschaftler als Intellektuelle anerkennt. Ich bin mir nicht sicher ob es sich hier um Arroganz handelt oder ob der Mann ganz ohne selbige in seiner eigenen (Geistes-)Welt so gefangen ist. Auf letzteres deutet zumindest seine unbestimmte, ungerichtete Medienkritik im letzten Satz des selben Absatzes hin.

August 22nd, 2009 at 22:48 by Martin Hiegl | 2 Comments
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Verfassungsfeinde in der SPD

Lieber Herr Jurk, ich möchte Ihnen hiermit Verfassungsfeind zur Selbsterkenntnis anbieten. Vielleicht sollten Sie sich außerdem einen neuen Job suchen – dass Sie als Politiker und schon als Mandatsträger ungeeignet sind, haben Sie ja eindrucksvoll unter Beweis gestellt:

Wenn wir gegen das Grundgesetz verstossen, …, dann nehme ich das in Kauf.

Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass Sie nicht in der Bundesrepublik aufgewachsen sind. In diesem Fall sollten Sie sich vielleicht nochmal mit diesem fremden Land, in dem Sie nun Leben und ein Teil davon sogar mitregieren vertraut machen. Übrigens gehört zu einer Einbürgerung das Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes – das sollten Sie noch nachholen. Schwindeln gilt aber nicht, gell!

August 3rd, 2009 at 22:11 by Martin Hiegl | 4 Comments
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Solange III

Das Bundeverfassungsgericht hat heute über den Lissabon-Vertrag entschieden undzum dritten Mal geben Sie der eigenen Entscheidung in Sachen Europa eine Ausgangsklausel. Hier wird in Zukunft wohl von der Solange-III-Entscheidung gesprochen werden:

Solange im Rahmen einer europäischen Bundesstaatsgründung nicht ein einheitliches europäisches Volk als Legitimationssubjekt seinen Mehrheitswillen gleichheitsgerecht politisch wirksam formulieren kann, …

Der Deutschlandfunk hat die Hintergründe zusammengetragen. Aus diesem Artikel auch die beiden anderen Solange-Entscheidungen:

Solange I

Solange der Integrationsprozess der Gemeinschaft nicht so weit fortgeschritten ist, dass das Gemeinschaftsrecht auch einen von einem Parlament beschlossenen [...] Katalog von Grundrechten enthält, der dem Grundrechtskatalog des Grundgesetzes adäquat ist,  …

Solange II

Solange die Europäischen Gemeinschaften, insbesondere die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Gemeinschaften einen wirksamen Schutz der Grundrechte gegenüber der Hoheitsgewalt der Gemeinschaften generell gewährleisten, der dem vom Grundgesetz als unabdingbar gebotenen Grundrechtsschutz im Wesentlichen gleichzuachten ist …

Solange III widerspricht aber auch klar einer Interpretation des Deutschlandfunks

Die Botschaft war klar: Eine Staatsbürgerschaft in diesem Sinne ist die europäische Unionsbürgerschaft nicht und kann sie nach dem Willen des Bundesverfassungsgerichts auch niemals werden.

Offensichtlich kann es nach Meinung des Bundesverfassungsgericht durchaus ein einheitliches europäisches Volk, eine europäische Staatsbürgerschaft geben. Ich freue mich darauf!

June 30th, 2009 at 12:14 by Martin Hiegl | 2 Comments
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