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Martin Hiegl en Blog

Makler - die selbständigen Vertriebler

Von Zeit zu Zeit schaue ich mir einfach so zum Spaß den Wohnungs-/Häusermarkt an. Jedes Mal werde ich dann davon überrascht, dass immernoch die Mieter/Käufer einer Wohnung/eines Hauses offensichtlich bereitwillig die Provision der Immobilienmakler übernehmen. Was ist das für ein verquerer Markt, in welchem nicht der Auftraggeber die Provision bezahlt? Welche Logik steckt bitte dahinter, dass ich als Suchender, der niemanden beauftragt hat, sondern selbst an der Suche arbeite, zum Schluß auch noch dafür zahlen muss, dass ich etwas gefunden habe? Gesetzlich geregelt ist, dass, wenn nichts anderes ausgemacht ist, beide Parteien zu gleichen Teilen die Provision des Maklers tragen. Dahinter steckt die Idee, dass der Makler beiden Parteien neutral ein Geschäft vermittelt und beide davon profitieren. Tatsächlich ist die Provision eigentlich immer an die Höhe des Miet-/Kaufpreises gekoppelt. Damit verliert die Maklerrolle ihre Neutralität und er wird die Interessen des Auftraggebers vertreten, auch wenn er letztendlich vom Käufer/Mieter bezahlt wird. Das halte ich für rechtlich sehr bedenklich. Korrekt wäre es, wenn der Auftraggeber dem Immobilienmakler die Provision bezahlt dafür, dass er vermittelt hat. Das Märchen der neutralen Rolle des Immobilienmaklers und des gleichen Nutzens am Geschäft für beide Parteien am Vertrag entspringt aus einer romantischen Verklärung.

Nochmal zusammengefasst: Von einem (hohen) Vertragsabschluß profitiert zu aller erst der Auftraggeber und dann der Makler selbst und dementsprechend sollte der Auftraggeber auch den Makler bezahlen.

Ich vergleiche das einfach mal mit meinem eigenen Job. Als Vertriebler habe ich den Auftrag von meiner Firma gewisse Produkte und Lösungen an Kunden zu verkaufen, zu vermitteln. Als zusätzliche Motivation habe ich ein Incentive-basiertes Gehaltsmodell. Wenn man jetzt das Immobilienmakler-Modell übertragen würde, müssten die Kunden, dafür dass sie bei mir kaufen, mir das Incentive zahlen.

Ein Makler ist tatsächlich nichts anderes als ein selbständiger Vertriebler ohne feste Auftrag-/Arbeitgeber. Mag sein, dass es früher den Begriff der Selbständigkeit so nicht gab und damit die Bezeichnung Makler für diesen Beruf notwendig war. Heutzutage spielt das aber eigentlich keine Rolle mehr. Auch als Vertriebler kommt der Vertrag nicht zwischen mir und dem Kunden, sondern zwischen meinem Auftrag-/Arbeitgeber und dem Kunden zu Stande.

Besonders ärgerlich ist die übliche Provisionsregelung aus meiner Sicht auch, weil ich bisher nur wenig Immobilienmakler getroffen habe, die sich wirklich große Arbeit mit der Vermittlung machten. Wenn man die einschlägigen Internetportale durchgeht, sieht man häufig auch Angebote, in denen der Makler die Haftung für die gemachten Angaben von sich weißt. Das kann er nicht so einfach machen - er hat die Pflicht die vom Auftraggeber gemachten Angaben zu überprüfen bzw. sich auch selbst ein Bild des Objektes zu machen und neutral/wahrheitsgemäß weiterzugeben.

Ich habe mir vorgenommen niemals Provision für einen Makler zu zahlen, der nicht durch mich beauftragt wurde.

Quantum of Solace

Glücklicherweise bieten die Innenstadt-Kinos in Stuttgart immer häufiger die Möglichkeit Film auch im O-Ton anzuschauen. So ist es auch beim neuen Bond. Keine Ahnung, wie “He was a deadend!” ins Deutsche übersetzt wurde.

Zuerst möchte ich ein paar Dinge hervorheben, welche mir nicht gefallen haben. Dazu gehört ganz gewiss der Titelsong, den ich noch schlechter als Madonnas fand. An zweiter Stelle nervte mich die Kameraführung mit extrem vielen Close-Ups, welche einen nicht etwa tiefer ins Geschehen brachten, sondern im Gegenteil die Übersicht verlieren ließen. Die Brutalität des Filmes ist sicher Geschmackssache, ich hatte kein Problem damit. Achja, Q mit seinen Gadgets hat mir noch gefehlt. Ein komplexer Touch-Table ist zwar ganz nett, aber wir wollen in Bond ja nicht aktuelle Technologie gezeigt bekommen, sondern die Technologie von morgen.

Bondmäßig war ansonsten alles drin. Verfolgung zu Fuß, auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft - Weltraum wäre dieses mal nicht wirklich passend gewesen. Zwei mehr oder weniger hübsche Frauen, von denen er aber nur mit einer schläft  (yet!); ein super Bösewicht, der aber nur ein Lichtlein in einer bösen Superorganisation ist; unrealistischen aber megageilen Stunts, einen Maulwurf und Stress mit Cheffe; viele Tote und Verletzte und darunter natürlich auch Nahestehende. Alles abgehakt.

Was viele Kritiker wohl verpasst haben, ist, dass es sich um einen zweiten Teil eines Mehrteilers handelt. Kein Wunder erscheint Besim die Handlung nicht gerade signifikant. War sie das denn bei Star Wars V, Matrix II oder LotR 2? Ja, das war sie, aber nur wenn man das Gesamtwerk betrachtet und nicht nur den Teil an sich. Genau das wird hier auch der Fall sein, wenn Quantum mit einem der nächsten Bonds (ich glaub aber nicht, dass es mehr als eine Trilogie wird) aufgelöst wird. Zudem scheint die Botschaft des Bolivien-Falls etwas untergegangen zu sein (keine Ahnung ob das etwas mit der Synchronisation zu tun hat). Die Organisation versucht tatsächlich die Weltherrschaft an sich zu reißen und die Macht über Bolivien ist da nur ein Teil.

Viele vergessen auf der anderen Seite auch, dass Bondfilme nie gleich waren. Jeder Darsteller und jeder Regisseur brachten eine neue Richtung. Und so, wie sie aktuell wieder extrem viel Action drin haben und dafür Sexszenen quasi ganz rausgenommen wurden, so kann es in 10 Jahren wieder ganz anders aussehen. Das ist wie bei gutem Wein - jeder Jahrgang schmeckt anders. Nicht jeder Jahrgang schmeckt einem persönlich gut - aber das muss er auch nicht. Deswegen ist aber nicht der Wein und auch nicht der Winzer schlecht.

Seinen Geschmack für Martini wird er hoffentlich noch in einem der nächsten Filme entdecken - nicht vergessen, er ist erst seit Kurzem 00-Agent.

Parteiordnungsverfahren für Ypsilanti

Auf süddeutsche.de hat Klaus Bölling den besten Artikel zur Situation der SPD in Hessen gelesen. Man sollte nicht glauben, dass der Mann 80 ist. Die letzten Sätze:

Nicht die Dissidenten, wohl aber die hessische Parteivorsitzende hätte ein Parteiordnungsverfahren verdient, weil sie ihre Partei zielstrebig demoliert hat. Ihr Rivale Walter hat Ypsilantis Rücktritt gefordert. Sie denkt nicht daran. Achtzig Prozent der Wähler, so ist aus dem schönen Hessenland zu hören, würden applaudieren, wenn sie als einfache Parteisoldatin ins Glied zurückkehrt.

Die dunkle Seite der Wikipedia

Eines der Top-Themen in der deutschen Nische des Internets war gestern die Sperrung der Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org durch eine einstweilige Verfügung von Lutz Heilmann, MdB. Ich möchte auf den Punkt eingehen, der der Sperrung zu Grunde liegt: Wie bekommt man nicht-offensichtliche Unwahrheiten aus der Wikipedia wieder heraus?

Anscheinend stand tatsächlich auch Falsches über Lutz Heilmann im Artikel und er war zuvor mehrmals damit gescheitert es selbst zu korrigieren oder es korrigieren zu lassen. Bei distanzierter Betrachtung wirkt es so, als ob seine einstweilige Verfügung kein Schnellschuss war, sondern eine Art letzter Schritt, nachdem er nicht mehr wusste, wie er es sonst korrigiert bekommt. Dieser Schritt hat ihm weit mehr Aufmerksamkeit gebracht, wie er es wohl selbst gewünscht hätte und vor allem wieder viel Aufmerksamkeit auf seine Stasi-Vergangenheit gelenkt. Nichtsdestotrotz schein er erfolgreich gewesen zu sein und der Artikel ist korrigiert.

Wie aber soll man Vorgehen, wenn man den Druck nicht gleich so hoch aufbauen möchte? Wenn man einfach etwas Unwahres, dass vermutlich von irgendjemand tatsächlich für wahr gehalten wird, korrigiert haben möchte? An wen kan man sich wenden? Ein Kommentar auf der Diskussionsseite führt leider nicht besonders häufig zum Erfolg. Wenn man es tatsächlich wagen sollte selbst zu editieren, wird schnell alles rückgängig gemacht und wenn man sich auf den Edit-War einlässt der Artikel möglicherweise in der falschen Version für Änderungen sogar gesperrt. 

Gibt es einen sauberen Prozess für soetwas bei der Wikipedia? Oder wird wieder davon ausgegangen, dass die Crowd das Problems schon irgendwie selbstreguliert und beseitigt?

One for the night - Lokalpatriotismus


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