Makler - die selbständigen Vertriebler
Von Zeit zu Zeit schaue ich mir einfach so zum Spaß den Wohnungs-/Häusermarkt an. Jedes Mal werde ich dann davon überrascht, dass immernoch die Mieter/Käufer einer Wohnung/eines Hauses offensichtlich bereitwillig die Provision der Immobilienmakler übernehmen. Was ist das für ein verquerer Markt, in welchem nicht der Auftraggeber die Provision bezahlt? Welche Logik steckt bitte dahinter, dass ich als Suchender, der niemanden beauftragt hat, sondern selbst an der Suche arbeite, zum Schluß auch noch dafür zahlen muss, dass ich etwas gefunden habe? Gesetzlich geregelt ist, dass, wenn nichts anderes ausgemacht ist, beide Parteien zu gleichen Teilen die Provision des Maklers tragen. Dahinter steckt die Idee, dass der Makler beiden Parteien neutral ein Geschäft vermittelt und beide davon profitieren. Tatsächlich ist die Provision eigentlich immer an die Höhe des Miet-/Kaufpreises gekoppelt. Damit verliert die Maklerrolle ihre Neutralität und er wird die Interessen des Auftraggebers vertreten, auch wenn er letztendlich vom Käufer/Mieter bezahlt wird. Das halte ich für rechtlich sehr bedenklich. Korrekt wäre es, wenn der Auftraggeber dem Immobilienmakler die Provision bezahlt dafür, dass er vermittelt hat. Das Märchen der neutralen Rolle des Immobilienmaklers und des gleichen Nutzens am Geschäft für beide Parteien am Vertrag entspringt aus einer romantischen Verklärung.
Nochmal zusammengefasst: Von einem (hohen) Vertragsabschluß profitiert zu aller erst der Auftraggeber und dann der Makler selbst und dementsprechend sollte der Auftraggeber auch den Makler bezahlen.
Ich vergleiche das einfach mal mit meinem eigenen Job. Als Vertriebler habe ich den Auftrag von meiner Firma gewisse Produkte und Lösungen an Kunden zu verkaufen, zu vermitteln. Als zusätzliche Motivation habe ich ein Incentive-basiertes Gehaltsmodell. Wenn man jetzt das Immobilienmakler-Modell übertragen würde, müssten die Kunden, dafür dass sie bei mir kaufen, mir das Incentive zahlen.
Ein Makler ist tatsächlich nichts anderes als ein selbständiger Vertriebler ohne feste Auftrag-/Arbeitgeber. Mag sein, dass es früher den Begriff der Selbständigkeit so nicht gab und damit die Bezeichnung Makler für diesen Beruf notwendig war. Heutzutage spielt das aber eigentlich keine Rolle mehr. Auch als Vertriebler kommt der Vertrag nicht zwischen mir und dem Kunden, sondern zwischen meinem Auftrag-/Arbeitgeber und dem Kunden zu Stande.
Besonders ärgerlich ist die übliche Provisionsregelung aus meiner Sicht auch, weil ich bisher nur wenig Immobilienmakler getroffen habe, die sich wirklich große Arbeit mit der Vermittlung machten. Wenn man die einschlägigen Internetportale durchgeht, sieht man häufig auch Angebote, in denen der Makler die Haftung für die gemachten Angaben von sich weißt. Das kann er nicht so einfach machen - er hat die Pflicht die vom Auftraggeber gemachten Angaben zu überprüfen bzw. sich auch selbst ein Bild des Objektes zu machen und neutral/wahrheitsgemäß weiterzugeben.
Ich habe mir vorgenommen niemals Provision für einen Makler zu zahlen, der nicht durch mich beauftragt wurde.
