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Martin Hiegl en Blog

Aus dem Meister mach einen Bachelor (prof)

In der Stuttgarter zeitung von vorgestern war ein Artikel zu dem vorhaben einiger Wirtschaftsminister aus dem Meister einen Bachelor zu machen - zur differenzierung gegenüber rein akademischen Bachelors mit professional näher beschrieben. Diese Idee muss man natürlich im Kontext des kontrovers diskutierten Bologna-Prozesses sehen, welcher eine europäische Vergleichbarkeit der (Studien-)Abschlüsse anstrebt. Im Zuge dessen wird im Moment auch an vielen Hochschulen vom Diplom zum Bachelor und Master umgestellt - ich bin zum Beispiel im letzten Berufsakademiejahrgang in BW, welcher das Diplom (BA) verliehen bekommt.
Die Argumentation der Wirtschaftsminister ist dabei, dass das hohe Niveau dieser dualen Berufsausbildung, welche erstens international schon häufig als Hochschulabschluss angesehen wird und zweitens eines akademischen Abschlusses ebenbürtig sei, deutlich zu machen. Deshalb soll der Meister-, Techniker- und Fachwirtabschluss den international bekannten Titel Bachelor bekommen. Im Zuge dessen müssten diese Ausbildungswege aber natürlich auch überarbeitet und akkreditiert werden.
Ich begrüße diesen Vorstoß, der wieder ein Schritt in die reale, globalisierte Welt darstellen würde. Ich halte ähnlich wie Ernst Pfister, Wrtschaftsminister von BW, der in dem Artikel auch zitiert wird, qualifizierte Handwerksabschlüsse für vergleichbar mit manchen akademischen Abschlüssen. Die aktuelle Trennung ist in meinen Augen rein akademische Arroganz und geht längst an der Realität vorbei. Weiter würde dieser Schritt dem hier vor anderthalb Jahren angesprochene gesellschaftliche Problem der gesellschaftlichen Abwertung von Mittlerer Reife und Berufsschulreife entgegentreten und unser Bildungssystem durchlässiger machen. Auch die Lehre/Ausbildung gehört zur Bildung.
Die Wissenschaftsminister sind zu großen Teilen dagegen. Wirkliche Gründe dazu gibt es im Artikel nicht.

50/50-Chance für Straftäter

In der Straßenbahn las ich heute, dass 55,4% der Straftaten in 2006 aufgeklärt wurden. Das sei soviel wie nie, seit der Wiedervereinigung. Irgendwie kann ich mich über diese Zahl aber nicht freuen. Das heißt doch, dass nur die Hälfte aller Straftaten aufgeklärt wurden. Das heißt weiter Täter haben eine 50/50 Chance durchzukommen. Um eine 50/50 Chance wahrzunehmen muss man IMHO nicht besonders risikofreudig sein.

Bundesgerichtshof zur Ordnung in der Familie

1954 stellte der Bundesgerichtshof folgendes in seinen Stellungnahmen zum Letztentscheidungsrecht des Ehemannes (”Stichentscheid”) in Fragen der elterlichen “Gewalt” (heute Sorgerecht) über Kinder fest:

Innerhalb der strengen Einheit der Familie sind Stellung und Aufgabe von Mann und Frau durchaus verschieden. Der Mann zeugt die Kinder; die Frau empfängt, gebiert und nährt sie und zieht die Unmündigen auf. Der Mann sichert, vorwiegend nach außen gewandt, Bestand, Entwicklung und Zukunft der Familie; er vertritt sie nach außen; in diesem Sinne ist er ihr “Haupt”. Die Frau widmet sich, vorwiegend nach innen gewandt, der inneren Ordnung und dem inneren Aufbau der Familie.

Bevor Panik ausbricht - das Bundesverfassungsgericht hat die Sache fünf Jahre später wieder in Ordnung gebracht:

Die zwischen den Eltern bestehende sittliche Lebensgemeinschaft und ihre gemeinsame, unteilbare Verantwortung gegenüber dem Kinde führen in Verbindung mit dem umfassenden Gleichberechtigungsgebot der Verfassung im Bereich der elterlichen Gewalt zu voller Gleichordnung von Mutter und Vater.

G8-Gipfel in Heiligendamm umzäunt - so what?

Ralf mokiert sich über einen Zaun, der um den Tagungsortes des G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm gezogen wird und fasst es folgendermaßen zusammen:

Schöner kann man das »ihr potenziell Bösen da unten, wir Guten hier oben« nicht symbolisieren. Wer sich freiwillig umzäunt, hat böse Absichten oder ein schlechtes Gewissen.

Ich glaube nicht, dass er wirklich so naiv ist, sondern halte den Artikel eher für allgemeine Provokation. Erfahrungsgemäß wird bei solchen Veranstaltungen eben nicht nur friedlich demonstriert, was ja absolut in Ordnung wäre, sondern es kommt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Darf ich an dieser Stelle vielleicht an Genua 2001 erinnern? Ich fänd es falsch, jegliche Proteste wie letzten Jahr in St. Peterburg zu unterdrücken - das ist zum Glück in Deutschland dank der demokratischen Gesetze auch so nicht möglich. Aber ich halte es für richtig und wichtig, die Teilnehmer des Gipfels zu schützen und keines Risikos auszusetzen. Um es selbst in einem Satz zusammenzufassen: der Zaun spricht meines Erachtens eher gegen die Erfahrungen mit den Demonstranten als gegen die Staats- und Regierungsschef, welche sich innerhalb des Zaunes treffen. Wäre es nicht schön, wenn sie des Zaunes nicht bedürften?
Was der Zaun und der Gipfel mit Repression zu tun haben soll und warum es überhaupt Proteste gegen einen solchen Gipfel an sich gibt, kann ich nicht ganz verstehen. Er gibt doch auch den Demonstranten die Möglichkeit sich medienwirksam für ihre Positionen zu präsentieren. Zur Information ist auf jeden Fall die Seite der Bundesregierung zum Gipfel empfehlenswert, auch wenn sie von Ralf einseitig als Propaganda geschumpfen wird. Zum Glück gibt es neben den radikalen Gegnern auch NGOs die sich konstruktiv beteiligen und auch die Realität vor Augen haben, anstatt blind schreiend durch die Gegend zu rennen (ganz am Ende - 8:50 Minuten).
via wirres.net

Siemens und seine Mitarbeiter

Verstehe ich das richtig? Vor gut einem Monat lagern Siemens und Nokia ihre Netzwerktechnik in das Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN) aus. Jetzt, also gerade mal einen Monat danach kündigt dieses Joint Venture an 15% der Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stellen, auf gut deutsch zu entlassen. Da kann mir keiner erzählen, dass das nicht von Anfang an von Nokia und Siemens geplant war, ihre Mitarbeiter so auf die Straße zu setzen, ohne direkt noch betroffen zu sein und den Ärger zu haben. Aber wie man so Dinge abwickelt hat Siemens ja schon bei BenQ geübt …
heise online zitiert eine finnische Zeitung, laut welcher “40 Prozent der Stellenstreichungen bei Forschung und Entwicklung sowie 30 Prozent beim Verkauf und Servicefunktionen geplant seien”. Aus Forschung und Entwicklung kommen die Innovationen, Sales und Service bringt das Geld rein … wollen die sich bewusst zu Grunde richten?

Friedliche Aufrüstung

Anders als die USA und Russland es (mal wieder) vorhaben, habe ich hier Zuhause ganz friedlich aufgerüstet und meinem iMac zwei günstige 1GB-Ramriegel von dsp-memory.de reingedrückt. Davor ist er doch schnell mal an seine Grenzen gestoßen, aber seit dem Upgrade schnurrt er friedlich vor sich hin und bleibt auch mit einer Vielzahl an offenen und vor allem auch arbeitenden Programmen immer geschmeidig. Während ich den einen der beiden Prozessorkerne mit dem Export von EyeTV-Aufnahmen in H.264 immer beschäftigt halte (zwischen 80% und 90%), geht der andere selten über die 10% Nutzung hinaus. Schade, dass die Last offensichtlich nicht gleichmäßiger verteilt werden kann, bzw. EyeTV nicht in der Lage ist beide Kerne anzusprechen und zu nutzen.

E-Mail an den Bundespräsidenten mit der Bitte um Entlassung von Wolfgang Schäuble

Aus gegebenem Anlass - meine E-Mail an den Bundespräsidenten:

Sehr geehrter Herr Köhler,

nun hat Herr Schäuble schon zum zweiten Mal gefordert, dass die Unschuldsvermutung abgeschafft werden soll bzw. nicht für alle gelten darf. Damit hat er sich zum wiederholten Male gegen unsere Verfassung ausgesprochen, welche er als Innenminister doch eigentlich schützen soll. Von den anderen Versuchen die Verfassung zu ändern, um sie an Gesetze anzupassen, oder die Absicht der Einführung der Strafverfolgung ohne begangene Straftat, möchte ich gar nicht sprechen. Wolfgang Schäuble hat die Absicht, die Ordnung, welche das Grundgesetz uns gibt, zu beseitigen und aus unserem im Grundgesetz verankerten Rechtsstaat einen Polizeistaat zu machen. Die STASI wäre bei den Möglichkeiten, welche Herr Schäuble dem Staat einräumen möchte, gelb vor Neid geworden. Damit bekennt er sich offen als Feind unserer Verfassung und disqualifiziert sich als Hüter des deutschen Grundgesetzes. Darum tue ich hiermit meine Pflicht als Staatsbürger nach Artikel 20 GG und bitte Sie um die Entlassung von Herrn Wolfgang Schäuble.

Hochachtungsvoll,

Martin W. Hiegl

Update: Auf Anregung in den Kommentaren ging die E-Mail nun auch, leicht verändert (Bitte um den Vorschlag) an die Bundeskanzlerin.

Der Verfassungsminister ist eine Gefahr für das Grundgesetz.

Tagesschau.de fragt angesichts der neuen Äußerungen Schäubles zur Abschaffung der Unschuldvermutung in einer Umfrage:

Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchungen, Abkehr von der Unschuldsvermutung - inwieweit sind die Pläne zur Terrorabwehr verhältnismäßig?

Als Antwortmöglichkeit kommt für mich nur folgendes in Frage:

Innenminister Schäuble benutzt die Angst vor dem Terror, um einen Überwachungsstaat aufzubauen. Der Verfassungsminister ist eine Gefahr für das Grundgesetz.

Bitte alle mit abstimmen. Bei ausreichender Resonanz kommt das hoffentlich noch größer in die Medien und zwingt den Innenminister zum Rücktritt. Damit hätten wir Artikel 20 GG genüge getan.

Waffenlogik

Dürften die Studenten Waffen tragen, so hätte der Amokläufer früher gestoppt werden können und es hätten viele Menschenleben gerettet werden können.

So oder so ähnlich argumentieren im Moment einige Amerikaner in der beginnenden Waffendebatte nach dem Amoklauf an der Virginia Tech University in Blacksburg. Für diese Meinung sollten sie nicht vorschnell verurteilt werden, denn sie setzen dabei voraus, dass jeder Waffen haben darf. Unter dieser Prämisse haben sie sicherlich nicht Unrecht.
Dennoch sollte in meinen Augen nicht diskutiert werden, wie das basierend auf aktuellen Gesetzen anders hätte ausgehen können, sondern viel mehr, ob sich durch eine Änderung dieser Gesetze so etwas in der Zukunft verhindern ließe. Diese Grundannahme, von welcher bei der Argumentation ausgegangen wird, muss ja nicht so bleiben. Anstatt allen überall Waffen zu geben und so Risiken einzugrenzen, wäre es vielleicht auch eine gute Idee allen überall die Waffen wegzunehmen und so die Risiken eines solchen Massakers zu verringern.

Mitläufer vs. Gegner

Angela Merkel, war Mitläuferin der DDR. Sie war zum Beispiel in der FDJ aktiv und konnte auch ihren Doktor machen, was ohne Wohlwollen der Partei meiner Meinung nach nicht möglich war. Und dennoch war sie Gegnerin der DDR, und stand ihr, auch wenn sie nicht offen opponierte, kritisch gegenüber. Oder sind diese Zeilen jetzt etwa Geschichtsklitterung?
Zur Erklärung: ich glaube, dass es zu weit gegriffen ist Filbinger als ein Gegner der Nazis zu bezeichnen, aber ich muss auch sagen, dass ich das, wie die meisten, die an der Diskussion beteiligt sind, nicht beurteilen kann. Das Theater von so manchen Medien, Parteien und Gruppierung, allen voran dabei der Zentralrat der Juden, über die Trauerrede von Oettinger geht aber in jedem Fall viel zu weit. Er hat weder die NS-Zeit, noch den Holocaust, noch sonst etwas aus dieser Zeit verharmlost.
Was ich übrigends nicht verstehe, ist die Aussage, dass man mit der Behauptung, dass Filbinger NS-Gegner sei, “rechts-außen” Wählerstimmen fangen könnte bzw. mit dieser Behauptung “rechts-außen”-Anhänger (angedeutet sind Nazis in der CDU) bedient. Man muss sich das mal überlegen - zu behaupten, dass einer der Eigenen Nazigegner war, soll Nazistimmen locken … das klingt für mich absurd. So auf die Art: einer unserer “Großen” war NS-Gegner und stand dem Regime kritisch gegenüber - ihr seid NS-Anhänger und verherrlicht das Regime - also wählt uns.

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