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Gerechtes Grundeinkommen?

October 20th, 2006 at 11:03 by Martin Hiegl

Monitor berichtete gestern über das “Grundeinkommen” und forderte auch die Einführung deselbigen. Im Raum stand die Zahl von 800 Euro für alle. Prinzipiell ist das keine schlechte Idee, allerdings wurden ein paar Dinge nicht genannt.
Es wäre natürlich vorteilhaft für die Bevölkerungsentwicklung, da Kinder sich wieder richtig lohnen könnten. Aber man muss sich mal die Situation am Arbeitsmarkt vorstellen. Jeder Arbeitgeber würde das Gehalt um 800 Euro drücken, da er zurecht feststellen würde, dass dieses Geld ja schon vom Staat kommt, das heißt der Staat müsste es sich hintenrum wieder holen, so dass die veringerten Lohnnebenkosten, wie sie im Beitrag beschworen werden, letztlich steigen würden.
Der brisanteste Punkt wäre allerdings die neue Gerechtigkeitsdebatte, welche unter anderem auf Grund des Wegfallens der anderen Sozialleistungen entstände: Warum kriegen Kinder gleichviel wie Erwachsene? Warum kriegen chronisch Kranke gleichviel wie junge Gesunde? Warum kriegen Arbeitslose gleichviel wie Arbeitnehmer? Warum kriegen Arme gleichviel wie Reiche? Huch, das sind ja so ziemlich die gleichen Fragen, wie sie heute schon dastehen. Aber man will doch mit dem Grundeinkommen genau diese Fragen auflösen und durch eine “gerechte” Verteilung ersetzen. Und schwupps ist die Verteilung plötzlich wieder nicht “gerecht”.
Ich bin nicht gegen ein Grundeinkommen, nur gegen ein “bedingungsloses” Grundeinkommen. Die negative Einkommenssteuer kann eine Art Bürgergeld sein, welches jedoch weiterhin die wirtschaftliche Lage des Bürgers mit einbezieht. Das halte ich für gerecht. 600 Euro für jeden Arbeitslosen. Für jeden hinzuverdienten Euro gibt es vom Staat 50 Cent weniger. Damit wären wir bei 600 Euro Lohn, bei 300 Euro Stütze und bei 1200 Euro Lohn gäbe es nichts mehr vom Staat. So gäbe es einen Anreiz zu arbeiten. Wie man nun die weitere Steuer berechnet ließe sich diskutieren. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel 18000 Euro Freibetrag und von jedem Euro mehr ein Drittel. Dafür müssten alle Sozialbeiträge fallen gelassen werden. Das einzige, was man meiner Meinung nach noch diskutieren könnte, wäre, ob es eine zusätzliche Kranken- & Pflegeleistung vom Staat geben sollte, damit die “Gerechtigkeit” in diesem unverschuldet ungerechten Bereich auch etwas hergestellt wird. Als Steuer bräuchte man nur noch (negative) Einkommenssteuer (jedes Einkommen wird gleich behandelt) und Mehrwertsteuer. Wie es bei Unternehmen und am Finanzmarkt steuerlich zugehen müsste, ließe sich berechnen. Aber die Unsitte der deutschen Beiträge, welche einseitig Arbeitnehmer und Arbeitgeber belastet, wären wir endlich los.

One Response to “Gerechtes Grundeinkommen?”

  1. 1 · hiegl.net - Mindestlohn kostet Arbeitsplätze · 04.12.2007, 15:23

    [...] Geld arbeiten wollen - was ist daran bitte so falsch? Wieder mal wäre es sinnvoll sich mit der negativen Einkommenssteuer auseinanderzusetzen … 04.12.2007, 14:44 Uhr · Martin Hiegl TrackBack · [...]

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