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Bildung vs. Gesellschaft

November 7th, 2005 at 15:50 by Martin Hiegl
Insgesamt: 121.830
Keinen Abschluss: 8.738
Hauptschulabschluss: 40.840
Realschulabschluss: 47.812
Sek1 - zusammen: 97.390
Fachhochschulreife: 303
Hochschulreife: 24.137
Sek2 - zusammen: 24.440

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg bedeuten, dass 20,06 Prozent aller Abgänger von allgemein bildenden Schulen von 2004 einen Sekundarstufe 2 Abschluss machten. Und das trotz allen (meines Erachtens sowieso blödsinnigen) Geschreie wegen dem reformierten Abitur. Wenn man die beruflichen Schulen dazunimmt waren es sage und schreibe 30,21 Prozent.
1995 schon 27,83 %, 1985 25,79% und 1975 17,69%. Diese Zahlen sprechen wohl eine deutliche Sprache. Nahezu jeder 3. kann heute eine (Fach-)Hochschulreife bekommen - vor 30 Jahren war es noch nichteinmal jeder 5.
Die groß kritisierte Chancenungleichheit, welche es laut PISA-Studie hier gibt, kommt in diesen Zahlen nicht raus. Natürlich ist die Forderung nach mehr hochqualifiziertem Nachwuchs berechtigt. Die Frage ist, ob sich das Bildungssystem nicht insgesamt nach unten verlagert hat und eine Steigerung der Hochschulreifen nicht konträr steht zur Steigerung der Qualität.
Warum kann man heutzutage mit Hauptschulabschluss nicht mehr weiterkommen, warum wird bei einer Ausbildung zum Bankkaufmann kaum jemand ohne Abitur genommen? Warum kam ich problemlos, ja sehr gut, durch die Oberstufe ohne jemals Hausaufgaben zu machen? Ich habe das neue Abitur vor 2 Jahren unter anderem begrüßt, weil das Niveau gehoben werden sollte - es war ein hehres Ziel und wurde doch nicht umgesetzt. Die Reform muss von unten (Hauptschule) kommen und kann nicht von oben heruntergedrückt werden. Die Reform zum achtjährigen Gymnasium und der Lehrplankompetenz der Schulen setzt wenigstens in der Mitte an und doch beginnt schon wieder das Geschrei, dass es viel zu schwer sei, anstatt zu akzeptieren, dass es nicht sein kann, dass ein Drittel der Bevölkerung hochschulreif wird.
Welch eine Schande kein Abitur zu haben/machen? Warum? Es ist ein gesellschaftliches Problem, welches sich in Bildungssystem und Ausbildungssystem widerspiegelt. Und solange es in der Gesellschaft so bleibt, nutzt alles reformieren nicht. Und so wird das Bildungsniveau der gesamten Gesellschaft gedrückt - weil Titel (und deren Quantität) so viel mehr sind wie Qualität.

One Response to “Bildung vs. Gesellschaft”

  1. 1 · hiegl.net - Aus dem Meister mach einen Bachelor (prof) · 03.02.2008, 19:02

    [...] Realität vorbei. Weiter würde dieser Schritt dem hier vor anderthalb Jahren angesprochene gesellschaftliche Problem der gesellschaftlichen Abwertung von Mittlerer Reife und Berufsschulreife entgegentreten und unser [...]

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