Mission ist kein Antisemitismus
In der wieder erlaubten lateinischen Karfreitagsfürbitte heißt es:
Lasst uns beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.
Nun meinen manche, dass das antisemitisch und judenfeindlich und damit auf’s schärfste zu verurteilen sei. Warum bitte soll das antisemitisch sein?
Dem jüdischen Glauben nach, ist der Heiland noch nicht erschienen und sie warten noch auf ihn. Dem christlichen Glauben nach ist er erschienen. Nun wird in der Fürbitte gebetet, dass Gott die Juden “erleuchte”, damit sie erkennen, dass Jesus, welchen sie selbst “nur” als herausragenden jüdischen Theologen betrachten, der Messias war und ist.
Nun ist im Selbstverständnis der katholischen Kirche, dem Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), die Weitergabe des Glaubens, die Mission, fest verankert:
Die Kirche bemüht sich, die Menschen zu Jüngern Christi zu machen; sie will ihnen zum Glauben verhelfen, daß Jesus der Sohn Gottes ist, damit sie durch den Glauben das Leben haben in seinem Namen.
Dabei geht es dann nicht nur um die Juden, sondern um alle Menschen. Man muss allerdings auch sehen, dass das Judentum, neben oder vielleicht sogar noch vor dem Islam, dem Christentum die nächste Religion ist. Das Christentum ist eine Entwicklung aus dem Judentum heraus und versteht sich als den legitimen Nachfolger. Der Wunsch die Juden zu Christen zu machen, ist nach Kirchenverständnis keine Anfeindung der Juden, sondern ganz im Gegenteil der Wunsch auch ihnen auf die nächste Stufe im Glauben zu helfen.
Natürlich kann ich Juden verstehen, denen das missfällt, und natürlich sieht das Judentum bei sich selbst die wahre Lehre und hält die Christen für verirrt. Auch kann man hier der Katholischen Kirche Arroganz unterstellen, was aber auch zeugt, dass man sie und das allgemeine Wesen einer missionarischen Religion nicht verstanden hat. Nichtsdestotrotz ist es falsch hier von Antisemitismus oder Judenfeindlichkeit zu sprechen. Man sollte aufpassen, dass diese Worte sich durch ihren beliebigen Gebrauch nicht abnutzen.

9 Kommentare - Kommentieren
1 Oliver Tiberius Gassner
Wusstest du, dass es ‘messianische JUden’ gibt, die glauben dass jesus der messias sei udn deswegen aber nchj *keine* Christen sind? Fand ich auch originell.
http://d...e_Juden
Ich war auf eine MJ gestopßen als ich in einer sehr, hm, originell christlichen Versammlung eine Reportage machte (sie war Sängerin, ich glaubte zunächst lediglich einer Kulturveranstatung beizuwohnen.)
Im anschluss erzählten mir (schwäbische) Gruppenmitglieder ihr Sohn habe sich freiwillig in der israelischen armee eingeschrieben um (sinngemäß, nicht ihre wortwahl) das ‘Heilige Land’ zu verteidigen. Das fand ich wie gesagt… ungewohnt.
Hier mein Artikel (Rohfassung, da sind n paar Typos drin ;) ):
http://o...03.html
Meine Befremdung ob diverser Überzeugungen hatte ich dort nur angedeutet. Das ‘Privagespräch’ am Rande kommt da nicht vor. Auch mangels Kompetenz zu solchen Themen.
Und als Abschlussperspektive:
http://j...mzi.htm
20.03.2008, 13:35 Uhr
2 Martin Hiegl
Ne, wusste ich nicht. Steht ja aber auch drin, dass die Juden sie nicht als Juden, sondern als Christen sehen ^^
Es gibt aber immer wieder Juden, die zum Christentum überkehren. Die berühmteste ist/war wohl Edith Stein, welche inzwischen sogar Heilig gesprochen wurde.
Nette PI - auch wenn das ein paar seltsame Gestalten sind, über die du schreibst: “Anti-Israelische Haltung wie vor 60 Jahren” - alles klar.
Auch krass, was sich hinter deinem dritten Link verbirgt. Es gibt schon verrückte Leute - dazu gehören alle Fundamentalisten.
20.03.2008, 13:46 Uhr
3 Cem Basman
Für einen gläubigen Muslim, sind alle Menschen, die direkt mit Gott gesprochen ahebn, Propheten. Das sind besipielsweise Adam und Eva, Abraham, Moses, Christus. Aber auch viele weitere im Alten und Neuen Testament. Der Koran erkennt damit ausdrücklich das Judentum und das Christentum an. Mohammed ist im Glauben der Muslime allerdings, der letzte Mensch, der mit Gott direkt gesprochen hat.
Der Koran verbietet auch ausdrücklich jemanden gegen seinen Willen und mit Gewalt zu “bekehren”. Wie bei jeder Religion hat es natürlich auch hier viele Interpretationen und Lehren gegeben, die die ursprüngliche Botschaft des Propheten gedeutet haben.
Erstaunlicherweise sind beim Vergleich der monotheistischen Religionen aus der Perspektive der Moslems das Judentum und der Islam theologisch gesehen am nächsten. Das Christentum, genauer der Katholizismus, wegen der Dreifaltigkeit Gottes und dem Glauben, dass Gott einen Sohn hat, am weitesten entfernt. Für Moslems ist Gott weder ein Mensch, der Nachkommen haben könnte, noch ist er teilbar in mehrere Wesen. Gott ist für sie wie für Juden vollkommen abstrakt und jenseits von menschlichen Vorstellungskraft. Und genauso wie für Juden hat ein Moslem einen direkten Zugang zu Gott und seinem Glauben ohne eine vermittelnde Instanz wie den Pabst.
Jeder Mensch ist frei in seinem Glauben und hat durchaus die Wahl der Religion, wenn es für ihn eine Gewissen- und Glaubensfrage ist. Das ist nicht nur ein Grundsatz der Demokratie sondern auch ein fundamentales Menschenrecht.
In diesem Zusammenhang finde ich es besonders wichtig, jedem seinen Glauben zu lassen und das friendliche und respektvolle Miteinander in einer Gesellschaft als hohes politisches Gut zu leben. Missionieren gehört ins Mittelalter. Egal unter welchem Banner. Genauso wie seine eigene Glaubensgemeinschaft als die einzig Auserwählten anzusehen.
Wir leben in einer Welt.
24.03.2008, 18:03 Uhr
4 Martin Hiegl
Weil der Islam teilweise die gleichen propheten hat, erkennt er damit doch noch nicht die anderen religionen an, Cem.
Missionierung und die Freiheit im eigenen Glauben widersprechen sich nicht. Mission bedeutet letztendlich nur die Verkündung des Glaubens, die Weitergabe, nicht die Bekehrung gegen den Willen. Es besteht dabei kein Zwang etwas anzunehmen. Ich sehe das vergleichbare mit politischen Überzeugungen.
Auch im Christentum hat jeder Mensch einen direkten Zugang zu Gott - Gott steckt in allem/jedem. Die Rolle des Papstes gehört wohl zu den am meisten missverstandenen Sachverhalten der Welt.
Ebenso ist Gott im Christentum abstrakt. Das einzige was im Glaube festgehalten ist, ist, dass der Mensch nach seinem Ebenbild erschaffen wurd - das spricht aber nicht unbedingt die physische Form an. Die Dreifaltigkeit ist ebenfalls sehr komplex. Jesus ist kein Nachkomme von Gott und Gott ist nicht geteilt.
Durch seine einzigartige Struktur konnte sich das Christentum und der Katholizismus über die Jahrhunderte weiter entwickeln. Dabei spielt die Hierarchie auch eine starke Rolle. Sowohl Islam als auch Judentum wirken oft in der Geschichet stehengeblieben, in der Geschichte von ähnlichen Völkern (Nomaden, Wüstenbewohner) und sehen sich so heute tatsächlich ähnlicher, als dem Christentum.
Auch wenn wir in einer Welt leben, so haben wir unterschiedliche Meinungen, Überzeugungen und Glaubensinhalte. Aber das ist auch wichtig und gut so. Auch der Austausch, die Weitergabe und Verkündung selbiger sind wichtig. Solange alles ohne Gewalt und ohne Zwang abläuft, ist alles gut.
24.03.2008, 18:38 Uhr
5 Cem Basman
Doch. Das tut er ausdrücklich. Laut dem Koran.
24.03.2008, 19:18 Uhr
6 Martin Hiegl
Ok, muss ich dir so glauben. ;-)
Finde es aber sehr ungewöhnlich, vor allem, weil zumindest bei den Christen die Propheten nicht gerade den Kern des Glaubens darstellen.
Was bedeutet diese Anerkennung?
24.03.2008, 19:25 Uhr
7 Cem Basman
“Was bedeutet diese Anerkennung?” - Zunächst nicht viel, da die Realität, wie wir ja selber aus den Nachrichten erfahren können, leider eine andere ist. Dass zwischen der “reinen Lehre” einer Religion oder eines Dogmas und seinen Ausprägungen und Schulen ein grosser Unterschied ist, das wissen wir von in allen Religionsgemeinschaften. Christentum und Judentum sind keine Ausnahmen davon.
Nachbemerkung: Dass Judentum und der Islam deiner Meinung nach irgendwo in der Geschichte stehengeblieben sind, ist eine sehr individuelle Meinung, die nicht unbedingt von der christlichen Theologie geteilt wird. Aber ich bin kein Theologe.
Alle drei abrahamistischen Religion haben den gleichen “wahren Kern” über was Gut und Böse ist sowie wie das Alltagsleben des Gläubigen grundsätzlich zu gestalten sei. So gesehen, möchte ich nicht eine Religion über die andere stellen. Alle drei und ihre weiteren Interpretationen sind allerdings historisch in einem unterschiedlichen Kontext entstanden.
In einer politisch zerissenen Welt, in der leider sehr häufig in allen Lagern die Religion als Scharfmacher benutzt wird, sollte die Aufklärung eher auf die wahren Ursachen der Konflikte hinweisen und die jeweiligen Religionen und Dogmen aus dem Spiel halten. Das ist Glaubenssache. Und für mich ist Glauben eine persönliche Entscheidung. Keine Waffe.
24.03.2008, 19:55 Uhr
8 Martin Hiegl
Dabei hab ich das ganz bewusst vorsichtig formuliert … :-( “wirken” war das Verb, das ich benutzt habe.
Und wenn man das Christentum von vor 500 Jahren mit dem Christentum von heute vergleicht, dann sieht man zum Glück riesige Unterschiede. Wie groß sind diese beim Islam oder beim Judentum? Um das abschließend beurteilen zu können, kenne ich beide zu wenig - deshalb “wirken”.
Der Kern im Christentums wird durch das Neue Testament redefiniert oder zumindest präzisiert. Deswegen sehe ich es nicht erhaben, sondern nur deutlich unterschieden.
Dein letzter Absatz ist völlig korrekt. Gerade bei den gewalttätigen Konflikten, spielt die Religion eigentlich nur als “Scharfmacher” oder Vorwand eine Rolle. Das hat auch nichts mit Mission zu tun.
24.03.2008, 20:07 Uhr
9 Cem Basman
Für das Judentum kann ich nicht sprechen. Aber der Islam ist deutlich politisierter als noch vor 30-40 Jahren. Ich werte das als eine Antwort auf die Nachwirkungen einer amerikanisierten Welt in der islamischen Welt einerseits wie auch andererseits als eine Antwort auf die korrupten regionalen Herrschaftsstrukturen der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs. Ich empfinde dagegen den laizistischen Weg, Trennung von Staatspolitik und Religion, für den besseren und nachhaltigeren Weg. Für mich ist das der demokratischere Weg. Das Riskio, dass bei der Verquickung von Staat und Glaube, Dogma oder reiner Lehre es zu einem Totalirismus führt, ist einfach zu gross. Auch eine Erkenntnis, die bis heute aktuell in sämtlichen politischen Lagern schmerzlich erlebt wird. Gepaart mit Armut und niedriger Bildung ist das ein explosives Gemisch.
Übrigens ist das nicht nur in der Dritten Welt zu beobachten, sondern auch in der westlichen Welt. Ich denke da an die Kriege und Konflikte in Nordirland, Zypern, Palästina. Aber hat sich auch schon mal jemand Gedanken gemacht über den Bildungsstand von amerikanischen Soldaten im Auslandeinsatz? Aber, wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein :-)
Frohe Ostern, Martin! Hoffen wir, dass die wahre Bergpredigt alle Streiter erreicht. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Dazu sind wir uns alle zu ähnlich…
24.03.2008, 20:56 Uhr
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