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Martin Hiegl en Blog

United Reich of America

Die USA gehören zu den Staaten, welche die Globalisierung mit am Meisten vorantrieben. Traditionell eher liberal sollte der Gedanke von grenzlosem Welthandel eigentlich nicht schrecken. Doch auch in den USA wird die Globalisierung nur begrüßt, solange man selbst davon profitiert. Dies sieht man jetzt wieder, wo EADS in Partnerschaft mit Northrop Grumman die Ausschreibung für 179Tankflugzeuge gewonnen hat und nicht Boeing. Abgesehen vom Senator aus Alabama, wo Northrop Grumman sitzt, sind eigentlich nur negative Stimmen zu hören. Aber es ist nicht Sache der Politik, wenn ein Unternehmen einem anderen in einer Ausschreibung oder Verhandlung unterliegt. Wenn Boeing ein schlechteres Angebot gemacht hat, dann ist es richtig und gut den Wettbewerber mit dem besseren Angebot zu nehmen, vor allem wenn es für das Produkt keine Rolle spielt, wo es produziert wird. Alles andere wäre korrupt.
Ich weiß, dass das nichts Neues ist und die USA schon lange versuchen den Welthandel aus der WTO entsprechend zu beeinflussen. Trotzdem ist es entäuschend.
Leider müssen wir gar nicht über den großen Teich blicken, um solch nationalistisch protektionistisches Verhalten zu entdecken. Keine 100 Kilometer von hier beginnt Frankreich, ebenfalls Mitglied in der Europäischen Union. Und doch wird alles versucht die anderen EU-Mitglieder wirtschaftlich draußen zu halten. Vor der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie machten die deutschen Bauunternehmen an der Grenze auch gutes Geschäft in Frankreich. Nun sollte es eigentlich noch einfacher sein, auch französische Kundne zu bedienen, doch Frankreich hat sich etwas einfallen lassen: Garantieversicherungen, mit denen es den deutschen Handwerkern sehr schwer bis unmöglich gemacht wird in Frankreich Geschäft zu machen.

2 Kommentare - Kommentieren

  1. 1 Franz Meußdoerffer

    Zu Frankreich kann ich leider nichts sagen, da ich aufgrund der Distanz zur französischen Grenze nicht allzuviel Erfahrung mit deren Bauunternehmern und deren Richtlinien habe.
    Allerdings irrst du, was die Ausschreibung für die Tankflugzeuge angeht und dass aus verschiedenen Gründe:

    1.) Die amerikanische Industrie ist im Gegensatz zu der in Deutschland NICHT in privater Hand, sondern zum (groß?)Teil unter staatlicher Kontrolle. Daher ist es für die USA auch naheliegend sich selbst zu versorgen was Rüstungsmittel angeht.

    2.) Desweiteren haben die USA es schon immer vorgezogen ihre Streitkräfte selbst auszustatten, auch wenn sie damit vieleicht ein schlechteres Produkt eingeführt haben. Natürlich ist mir klar, dass sie auch Produkte aus anderen Ländern kaufen und verwenden (so zum Beispiel die Lasertechnik für die Entfernungsmesser der M1 Abrams Kampfpanzer), allerdings ist das nur der Fall wenn sie kein EIGENES (annähernd vergleichbares) Produkt zur Verfügung haben (ansonsten würden sie auch andere Sturmgewehre als Standartwaffe für ihre Truppen anschaffen als das M16). Das liegt meiner Meinung nach vor allem in historischen Tatsachen begründet Denn schließlich bedeutet ein Import von Rüstungsmitteln aus anderen Ländern zugleich auch ein Akzeptieren einer Abhängigkeit (etwas dass die Amerikaner seit ihrem Unabhängigkeitskrieg nicht mehr getan haben… wenn man von den Versuchen der Südstaaten während des Sezessionskriegs absieht, Großbritannien auf ihre Seite zu ziehen, was ja allerdings nicht den gewünschten Erfolg hatte).
    Auch ist das Verständnis der Amerikaner, was eine weltumspannende Kooperation und Zusammenarbeit im Bereich des Welthandels angeht, anderst ausgeprägt als in Deutschland (über das pro und contra kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Das ist aber eine andere Debatte ;) ). So sieht man in den USA die Bedürfnisse der eigenen Nation als wichtiger an als die Bedürfnisse anderer (der restlichen Welt zum Beispiel. Auch darüber kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein.)

    3.) Ich halte es grundsätzlich für falsch, anderen Staaten UNSERE Moralvorstellungen aufzwingen zu wollen. Nur weil es bei UNS üblich ist, Ausschreibungen so zu handhaben dass wir rein wirtschaftliche Gründe in Betracht ziehen (und alle anderen un-/vernünftigen Argumente ignorieren), bedeutet dass noch lange nicht, dass das jede andere Nation so handhaben muss (sonst müsste man den von dir vorgebrachten Vorwurf der Korruption auch fast dem gesamten Rest aller Industrienationen machen). Es wäre engstirnig einfach unsere Denkweise wie eine Schablone auf kulturell anderst geprägte Menschen und deren Handlungen zu übertragen und sich dann zu wundern dass sie nicht so hineinpassen wie wir uns das gedacht haben.
    Ein schönes Beispiel für so unterschiedliche Denkweisen ist der (übrigens von dir selbst in einem anderen Zusammenhang zitierte) Artikel unter:
    http://u...hiffen/

    Ich möchte hier vorerst enden und wünsche dir und Uli frohe Ostern!

  2. Boing ist durch und durch privat. An vielen amerikanischen (Rüstungs-)Unternehmen mag die USA selbst zwar Anteile haben, aber das heißt nicht, dass sie nicht privat sind. Nenne mir mal amerikanische Unternehmen, die voll in der Hand des Staates sind oder voll vom Staat kontrolliert werden. VW ist auch privat, auch wenn Land (und Bund?) Anteile haben.

    Natürlich präferiert man es sich selbst zu versorgen und ich gehe davon aus, dass hier auch Vorraussetzung war, dass Teile der Konsortien aus den USA stammen (so kann EADS wohl überhaupt erst an einer amerikanischen Ausschreibung teilnehmen) und in den USA Teile der Arbeit erledigt werden.

    Ich will den USA ihre eigenen Moralvorstellungen aufzwingen. Was sie bei anderen gelten lassen wollen, sollen sie auch bei sich selbst gelten lassen.Entweder ist man für Globalisierung und freien Handel oder nicht. Dieses “dafür, solange es uns dient” prangere ich an und halte ich für nationalistisch (nicht patriotisch).
    Ich meine nicht, dass sie EU-Richtlinien anwenden sollen, sondern nur ihre eigenen. Das haben sie tatsächlich getan und für das EADS-Konsortium entschieden - das Geschrei zeigt jetzt, dass viele sich aber doch nicht an die eigenen Regeln halten wollen, sondern sie nach eigenem Gutdünken verbiegen wollen.

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