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Martin Hiegl en Blog

Versorgungsmentalität

Für mich ein Wort des Jahrzehnts. Ich kann mich schon gar nicht mehr darüber aufregen, sondern nur noch resigniert den Kopf schütteln, wenn ich Sätze, wie den von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer höre:

Politik muss darauf hinwirken, dass es in Deutschland eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung gibt.

Seit Jahrzehnten wird dem Deutschen inzwischen eingetrichtert, dass man nicht seines eigenes Glückes Schmied ist, sondern vom Staat versorgt werden muss. Dass der Staat dafür Sorge tragen muss, dass es dem Einzelnen gut geht und es “gerecht” zugeht. Aber Gerechtigkeit ist doch nicht, wenn jeder das Gleiche bekommt. Gerechtigkeit ist, wenn jeder bekommt, was er sich erarbeitet, was er “verdient”.
Die Aufspaltung der Gesellschaft in die “kleinen Leute” und die da oben geht voll und ganz auf das Konto der Politik, welche Neid anstatt Bewunderung schürt. Ich bewundere Menschen wie Wiedeking oder Ackermann für das was sie erreicht haben und dass sie es ganz nach oben geschafft haben. Ich kann selbst einen Claassen dafür bewundern, wie geschickt er verhandelt hat um - nach erfolgreicher Tätigkeit - mit solch einer Abfindung zu gehen. Sie haben sich ihren Erfolg erarbeitet und nicht darauf gewartet, dass der Staat ihn ihnen bringt.
Ich fordere deshalb mehr Selbstversorgungsmentalität und erinnere wieder an das 10. Gebot.

13 Kommentare - Kommentieren

  1. Ich bin mit dir voll einer Meinung. Beenden wir die Subvention des Großkapitals. Beenden wir die Abschreibung von allem was nicht dem Produktionsprozess dient. Machen wir Manager für Schäden und Fehlspekulationen haftbar.

    Ermöglichen wir den Leuten Geschäfte zu eröffnen ohne im Papierkram zu ertrinken. Heben wir die Handwerks- und Berufordnungen auf. Zahlen wir nur dann Arbeitslosengeld oder Hartz IV wenn gleichzeitig per Internet und/oder Präsenzunterricht eine Weiterbildung auf den nächsten Schulabschluß erfolgt.

    Führen wir für Kleinunternehmen eine Bagatellsteuergrenze ein und verzichten auf mehr an Buchführung als ein amerikanisches Journal bietet. Ermöglichen wir allen Arbeitgebern ihre Löhne im Internet kostenlos abzurechnen.

    Wir können sofort anfangen. Kein Problem.

  2. Ok, alle Vorschläge von dir kapier ich ned. Wegfall der Subventionen, Steueraußnahmen, Abschreibung von Geschäftswagen etc. - in Ordnung. Haftbarmachung der Manager zu einem gewissen Teil auch iO (vgl USA). Auch der zweite Absatz ist plausibel - das mit der Weiterbildung ist ne gute Idee, aber für ne Umsetzung müsste man da etwas genauer drüber nachdenken.
    Die Bagatellsteuergrenze gibt es doch schon, oder? Was meinst du aber mit deinem Vor(vor)letzen Satz?

  3. Ich bin ein Fan sozialer Marktwirtschaft. Eine Grundversorgung sollte jedem unbürokratisch zugestanden werden. Dach über dem Kopf, warm im Winter und ein voller Bauch, ob diese Person es verdient oder nicht.

    Niemand verdient sich Abfindungen in Millionenhöhe für schlechte Leistungen. Niemand benötigt noch mehr Geld, wenn er sich über mehrere Generationen den Unterhalt eines Palastes leisten kann und Koch, Putzfrau, Butler und Chauffeur sowie ein Heer von Assistenten inbegriffen sind.

    Verdienst ist kein absoluter Begriff, sondern ebenso wie Moral eine von der Gesellschaft geprägte Größe. Was welchen Wert hat, wird nicht nur über Angebot und Nachfrage geregelt, sondern zu einem guten Teil durch langjährig gehegte und gepflegte Mythen. Die Modebranche und die Unterhaltungsindustrie sind darin Meister.

  4. Ich stimme dir absolut zu - ABER ein Höchstlohn kann nicht staatlich verordnet weren, wenn man Top-Kräfte (bis auf ein paar Außnahmen) nicht ins Ausland loswerden will. Ich hoffe das ist nicht falsch rübergekommen - ich bin ebenfalls ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft, welche ein starkes, dichtes Netz hat - ABER (schon wieder ^^) dieses Netz muss darauf ausgelegt sein dem Gefallenen Ansporn und Unterstützung beim Aufstehen zu geben und als dauerhafte Liegegelegenheit so unbequem wie möglich sein.
    Wenn man anfängt Einkommen und Vermögen nach staatsdünken zu verteilen, dann hat das jedoch nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun.
    Wenn ich mich umschaue, dann glaube ich auch nicht, dass diese versagt hat, auch wenn so viele unzufrieden zu sein scheinen. Diese Unzufriedenen haben alle ihre Grundversorgung. Die Unzufriedenheit scheint sich eher aus einem Neid gegenüber vielen Reichen und der gefühlten Vorzugsbehandlung selbiger zu schüren.
    Negative Einkommenssteuer auf jegliches Einkommen, 20% Umsatzsteuer auf alles und Abschaffung aller Außnahmen oder sonstiger Steuerbesonderheiten könnte da ebenfalls allein aus Transparenzgrünen helfen. Sollte man tatsächlich doch irgendwelche brauchen, kann man die später wieder einführen (auf Zeit bitte).

  5. Ich kenne mich in Staathaushaltsplanung und Aufrechnung der Kosten sowie den psychologischen Momenten die eine Umstellung von Lohn- und Einkommens- und Vebrauchssteuer zu einer reinen Verbrauchssteuer zu wenig aus, um beurteilen zu können, ob es realistisch ist, jedem Einwohner bzw. Wohneinheit ein Grundeinkommen zu bezahlen, ob diese nun Arbeiten oder nicht um diese Utopie vorbehaltlos zu begrüßen. Doch stellt sich mir dieser Traum aus die einzig wahre soziale Marktwirschaft dar.

    Erst wenn ich dem Milliardär und dem Bettler die selbe Grundversorgung gebe und danach über den Konsum die Basis schaffe, dass diese Grundversorgung bezahlt wird, habe ich die wahre soziale Marktwirtschaft. Erst dann kann auch der Bettler den Milliardär vorbehaltlos bewundern und dessen Errungenschaften mit Lust und Wonne anstreben (wenn auch vermutlich mit geringem Erfolg).

    Neid ist eine Emotion, die viel mit der Angst zu tun hat, nicht zu genügen und abgelehnt zu werden oder selbst die geringeren eigenen Ziele nicht zu erreichen. Wer zufrieden mit dem eigenen Erreichten ist und Ehrgeiz besitzt, ist selten neidisch.

  6. BTW: Kapitalabwanderung
    Das ist nicht ein Problem der sozialen Marktwirtschaft, sondern ein Problem der mangelnden Solidarität unter den Nationen bzw. den sozialistischen Gegengewichten in Volk und Regierung, die Druck auf Gesetzgebung und Wirtschaftsunternehmen auf einer globalen Ebene ausüben könnten, wäre da nur etwas mehr Solidarität.

  7. Mh, ich hätt weniger Sorgen wegen der Kapitalabwanderung dabei als wegen der Skillabwanderung, was ja jetzt schon nicht selten ein Problem ist.

    Negative Einkommenssteuer ist eine Art des Grundeinkommens, welches sich aber mit dem selbst erarbeiteten Einkommen verändert (in einem anspornenden Maße, d.h. es nimmt langsamer ab als der Lohn zunimmt) und bei genügend Einkommen dann quasi eine positive Einkommenssteuer wird.
    Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen sehe ich es als ein Problem, dass der Staat die Zahlung von Einkommen den Unternehmen abnimmt, denn in meinen Augen muss ein Unternehmen für die Arbeit die sie bekommt zahlen und nicht der Staat.

    Dein Absatz über Neid trifft es glaub ich ganz gut - in diese Richtung habe ich noch nicht darüber nachgedacht. Mh, das gibt mir die Idee für einen weiteren Artikel …

  8. Ich gehe von einer anderen Prämisse aus. Der Staat sind wir. Wir sind eine Gemeinschaft. Leistungsunabhängig sollten wir dafür sorgen, dass wir nicht verhungern und nicht erfrieren und angstfrei in Bezug auf die absoluten Basisbedürfnisse leben können. Stichwort: Menschenwürde. Danach kommt der Ehrgeiz mehr haben zu wollen, Status zu erwerben, jemanden zu haben, der für einen die Dinge erledigt, die man nicht selbst erledigen will, unbegrenzt und beliebig oft reisen zu können. Es gibt in unserer Welt zahlreiche Anreize für Leistung. Hierzu muss man nicht die Angst vor Hunger und Kälte einsetzen.

  9. Leistungsunabhängig sollten wir dafür sorgen, dass wir nicht verhungern und nicht erfrieren und angstfrei in Bezug auf die absoluten Basisbedürfnisse leben können.

    Aber ist dem etwa nicht so?

  10. Nein, dem ist nicht so. Nicht jeder Obdachlose auf deutschen Straßen hat die Möglichkeit eine kleine Wohnung zu beziehen. Anne Koarks Buch hat öffentlich gemacht, wo sogar kleine Familien ohne Unterstützung von unserem Sozialen System im Regen stehen. Meine Freundin wartet noch immer auf Gelder vom Arbeitsamt oder der Krankenkasse, weil zwischen Krankmeldung und Arbeitslosigkeit sie in irgendein abstruses Verwaltungsloch viel und nun weder die eine noch die andere Behörde sich zuständig fühlt.
    Die Tatsache, dass man auf Behörden Leistungen beantragen muss und Leistungen verweigert werden können, bringt es mit sich, dass eine gewisse Grundangst selbst in einem so durchverwalteten Sozialstaat wie Deutschland exisitiert.

  11. ups Abstruses Loch fiel … grrh.

  1. hiegl.net - Stammemotionen - 14.12.2007, 21:52 Uhr

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