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TV-Duell der Moderatoren

September 14th, 2009 at 11:05 by Martin Hiegl

Über das gestrige TV-Duell der Kanzlerkandidaten gibt es inhaltich nur wenig zu diskutieren. Die Form aber, die Form verlangt nach einem lauten nachklingendem Aufschrei der Empörung und Enttäuschung. Wer nun sagt, 4 Moderatoren und zwei Kandidaten kann ja nicht funktionieren, liegt meines Erachtens völlig falsch. Tatsächlich ist das Scheitern der Form allein Schuld der persönlichen Inkompetenz der Moderatoren, sich auf das Format einzulassen.

Ein TV-Duell soll keine Talkschow sein, soll keine Inquisition sein, soll kein Boulevardinterview sein. Wenn der Redeanteil der Moderatoren in Summe quasi ebenso groß ist wie der Redeanteil der Kandidaten, dann haben die Moderatoren versagt.

Frank Plasberg versuchte sich geradezu aggressiv daran die Kandidaten zu provozieren. Schon die Eingangsfrage an Angela Merkel – warum Steinmeier schlechter sei als sie – zeigt kein Interesse an der inhaltlichen, sachlichen Auseinandersetzung der Kandidaten. So ging es auch weiter und nachdem Merkel nicht besonders souverän reagierte, schaffte er es später auch noch Steinmeier mit der Dienstwagenaffäre ins Fettnäpfchen zu locken. Das mag dem Ego eines Frank Plasberg gut getan haben – den Zuschauer, den Wähler hat es nicht weitergebracht und die Sendung, das Format ebensowenig. Auch seine Art a) die Kandidaten dauernd zu unterbrechen, was ihm eine Zurechtweisung der Kanzlerin brachte, und b) Suggestivfragen zu stellen bzw. Behauptungen aufzustellen, die dann in der Antwort erst korrigiert werden müssen, sind nicht nur schlechter Stil, sondern unverschämt.

Maybrit Illner hat gezeigt, dass sie bei ihren Talkshows bleiben sollte. Die erste Frage für mich ist, ob sie tatsächlich in Badeschlappen in die Sendung gegangen ist. Es sah zumindest so aus, wenn sie ihre großen Zeien hinter dem Podest hervorstreckte. Wenn sie zu Wort kam verfiel sie erstmal in einen 5 minütigen Monolog bevor eine verklausulierte Frage kam, bei deren Antwort sie die Kandidaten ebenfalls immer wieder unterbrach um ihren Monolog fortzusetzen. Wenn Sie sich so gerne sprechen hört, dann ist sie einfach eine Fehlbesetzung hier. Den Wähler interessiert nicht ihre Meinung zu den Themen, sondern die der Kandidaten.

Peter Kloeppel hat immer wieder erfolgreich das Niveau auf die Ebene, die er von seinen üblichen Zuschauern gewohnt ist, gesenkt. Ob sich die zwei Duzen spielt weder für eine gute Zusammenarbeit von ihnen, noch für die Wahl eine Rolle. Auch hier wurden die Fragen mit der eigenen Meinung und dem entsprechendem Spin versehen und bei der Antwort unterbrochen. Lernt man sowas auf den Journalistenschulen?

Achja, Peter Limbourg war auch noch dabei. Mehr ist bei ihm eigentlich nicht zu sagen und das traurige daran ist, dass er sich damit von allen Moderatoren am besten darstellte.

Unter’m Strich bleibt für die Bewertung der Kandidaten nur die Note ungenügend mit dem Prädikat unprofessionell. Die Moderatoren nahmen sich selbst viel zu wichtig und suchten eher den Wettkampf untereinander, als die Auseinandersetzung der Kandidaten. Hier wurde nicht mit diem Ziel moderiert ein interessantes Gespräch, Duell der Kandidaten herbeizuführen, sondern jeder wollte als erstes eine Story erzeugen, eine Show daraus machen. Dass Respekt vor der Kanzlerin und dem Außenminister da nur gestört hätte ist klar und doch auch ein Grund warum ich mich als Kandidat dem Theater nicht mehr aussetzen würde.

Für die Zukunft wünsche ich mir maximal zwei Moderatoren, welche sich in der Art und Weise, wie sie das Format gestalten an den TV Duellen z.B. in den USA orientieren. Dort wird auch nicht im geschlossen Studio gedreht, sondern mit – stillem – Publikum. Es herrscht ein respektvoller Umgang der Moderatoren mit den Kandidaten und der Respekt wird entsprechend erwidert. Es werden in der Regel kurze, sachliche und vor allem wertungsfreie Fragen gestellt und den Kandidaten die Gelegenheit gegeben auszusprechen und sich höchstens gegenseitig zu unterbrechen. Wenn ein Kandidat schwafelt greift der andere das auf und nicht der Moderator, so dass die Wähler später tatsächlich ein Gespräch der Kandidaten und nicht ein Gespräch der Moderatoren sehen konnten.

2 Responses to “TV-Duell der Moderatoren”

  1. 1 · WhatsYourPlace » Blog Archive » TV-Duell: Steinmeier gewinnt Kampf ums Kanzleramt · 14.09.2009, 13:12

    [...] vernahm “seichtes Gequatsche“. Martin Hiegl ernahm vor allem ein Duell der Moderatoren, von kläglicher Moderatorenleistung spricht gar Christoph Bieber; vielfach vermisst: das direkte [...]

  2. 2 · Andy · 29.09.2009, 19:18

    Und was hat die ganze Diskussion gebracht…nicht viel!

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