Kein Opfer
Schon lange kein solchen Bullshit mehr gelesen, wie der aktuelle Versuch bei Spiegel meine Generation zu Opfern des Zeitalters zu stilisieren.
[…]Krisenkinder aus der Generation der 20- bis 35-Jährigen[…]
Geprägt wurden die jungen Deutschen durch die Anschläge vom 11. September 2001 und durch die Weltwirtschaftskrise. Was sie am stärksten verbindet, ist ein Gefühl der Unsicherheit. Sie leben in instabilen Verhältnissen, oft prekär – zwischen Terror-Angst und Traineeprogramm, Assessment Center und Arbeitsamt. […] Die 20- bis 35-Jährigen, sie sind Krisenkinder.
Der 11. September hat die Welt verändert, prägt und verunsichert mich aber nicht. Die Weltwirtschaftskrise interessiert mich, prägt und verunsichert mich aber nicht. Die Krisen der Welt werden von mir aufmerksam verfolgt, prägen und verunsichern mich aber nicht.
Ich bin privat und beruflich erfolgreich und das nicht befristet, ohne Unsicherheit.
Ich bin kein Krisenkind.
Langsam frage ich mich mittlerweile auch, wenn ich diesen Stuss lese, aus welcher Generation denn die Spiegel-Redakteure selber stammen. Nachwuchs scheint es im Haus nicht zu geben. Wo sind Augsteins Enkel, die Journalisten 2.0, die die ehrwürdigen “Silver Schreiber” langsam mal ersetzen?
Volle Zustimmung.
Doch du musst eine Korrektur einbauen
> Ich bin privat und beruflich erfolgreich und das nicht befristet, ohne Unsicherheit.
Ich bin privat erfolgreich und beruflich von Torsten abhängig, und das nicht befristet, ohne Unsicherheit.
:-)
Stimmt … diese Abhängigkeit verunsichert mich nicht … aber das verunsichert mich jetzt irgendwie …
Deine halbwegs sichere Verunsicherung macht mich nun auch stutzig.
Und gleich explodiert mein Kopf
Irgendwie liegt die Verunsicherung eher bei der älteren Generation, die mit der neuen Zeit nicht zurecht kommen. Einer meiner liebsten Sätze in diesem Zusammenhang ist immer:
“Das neue Selbstbewusstsein der postmodernen Generation(en) bringt eine Überwindung des modernen sozialen Vertrauens in eine postmoderne soziale Einsicht gegenüber der Gewalt.”
Dies schließt den 11. September genauso ein, wie Winnenden oder Teheran. Das es sozial bedenkliche Individuen gibt ist nichts neues und ein Zusammenhang mit irgendeinem der genannten Vorfälle ist auch nicht zwingend.
Das Problem bei den Alten ist halt, dass das soziale Vertrauen zu bröckeln anfängt. Aber statt das sie sich der neuen Zeit stellen projizieren sie ihre Ängste auf sogenannte “Krisenkinder”.
Nun, letztlich bin ich auch ein Krisenkind.
Nein, nicht wegen meinem Migrationshintergrund. Bin halt ‘von drüben’. Aus der Zone.
Aber ich leide zum Monatsende immer unter einer privaten Finanzkrise. Das beutelt mich recht stark.