Die Chance auf Glück
Gestern schrieb ich in meinem Kommentar zur neuesten Armutsstudie
Letztendlich ist es richtig vom Staat gewisse Rahmenbedingungen zu fordern, welche eine möglichst große Chancengleichheit erzeugen.
Die Problematik dahinter ist nicht, wie jetzt viele wohl sagen würden, die Gleichheit, sondern die Chance. Die Chance auf was genau soll denn für alle gleich sein? Die Chance auf Reichtum etwa? Oder die Chance auf einen Arbeitsplatz? Oder auch die Chance auf einen Partner?
Die selben Gedanken haben sich vor mir schon deutlich cleverere Menschen, wie zum Beispiel John Locke oder George Mason. Thomas Jefferson schließlich hat es in der Declaration of Independence so niedergeschrieben, wie man es heute überall in der modernen Welt kennt:
Life, Liberty and the pursuit of Happiness
Der Staat kann und soll nicht dafür sorgen, dass du die Chance auf den selben Leben(ver)lauf wie dein Nachbar oder sonst ein Bürger hast. Der Staat kann und muss aber dafür sorgen, dass du die gleiche Chance hast in Freiheit zu leben und nach Glück zu streben.
Glück ist nicht von Reichtum oder Bildung abhängig. Für dein Glück bist auch weiter selbstverantwortlich, aber der Staat gibt dir die gleiche Chance dieses Ziel zu verfolgen, wie jedem anderen Bürger hier. Das bedeutet für mich Chancengleichheit.
Nachdem ich schon zum gestrigen Beitrag was geschrieben hab muss ich unbedingt auch hier meinen Senf dazu geben.
Ohne mich da in den Begriff Chancengleichheit´nun langwierigst einzulesen fürchte ich dass es ein seeeeehr dehnbarer Begriff ist – und noch schwieriger ist er wahrscheinlich zu verwirklichen.
Ich glaube nicht dass die Kinder von “normalen” Arbeitern die selben Chancen haben wie Kinder von Millionären. Ich glaube nicht, dass man als “kleiner dicker Pummel” die selben Chancen hat wie ein “Modelltyp”. Ich hoffe dass ich mit diesen plumpen Beispielen ungefähr klarmachen kann was ich meine.
Ob ich im Münschen aufwachse oder in irgendeinem kleinen Dorf in Mecklenburg /wegen des gestrigen Beitrags) scheint mir auch schon sehr einschränkend für meine Möglichkeiten zu sein.
Wie soll also eine gerechte Chancengleichheit jemals zu verwirklichen sein.
Das einzige was ich da als Möglichkeit sehe ist eine “Negativliste” festzulegen. Es darf keine Diskriminierung geben. Jeder muss die MÖGLICHKEIT haben wirklich alles zu erreichen was auch andere erreichen können.
Vielleicht hab ich auch nur eine Ablehnung gegen das Wort “Chance” weil ich eben glaube, dass “Chancen” enorm ungleich verteilt sind.
Die Aussage “der Staat gibt dir die gleiche Chance dieses Ziel zu verfolgen, wie jedem anderen Bürger hier” find ich schön – bin aber eben wirklich nicht sicher wie weit dies selbst in einem derart fortgeschrittenem, sozialen und (halbwegs) gerechtem Staat wie Deutschland wirklich verwirklicht ist.
@Gebhart: Jefferson hat nie geschrieben, “All men are equal” sondern “All men are created equal” und das created bezieht sich nicht auf das Geld von den Eltern. Klar kann der Staat nicht die Verteilung von individuellen Chancen (gerecht) kontrollieren – aber die Bürger haben eigenen Einfluß darauf durch harte Arbeit, Zielstrebigkeit, usw. Die MÖGLICHKEIT hat tatsächlich jeder, auch wenn die Möglichkeiten anders verteilt sind und ich finde, diese Verteilung ist nicht festgelegt, sondern sehr flexibel.
Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen lieber in den von sich selbst gesetzten Rahmenbedingungen leben und sich unwohl fühlen, als etwas zu riskieren um sich zu verändern.
Im Bekanntenkreis sieht man dieses Vorgehen immer wieder. Unzufrieden mit dem Chef, unzufrieden mit dem Job, klar möchte man woanders arbeiten, aber nur bei XYZ – sonst nirgendwo.
Chancen sein Leben umzukrempeln gibt es durchaus, oftmals fehlt doch einfach nur der eigene Antrieb oder die Risikobereitschaft das wenige was man hat zu verlieren um viel mehr zu gewinnen.
Ohne Zielstrebigkeit und Einsatz bleibt jeder Änderungswunsch zum scheitern verurteilt – so wie es Van auch schon erwähnt hat. Nicht jeder wird eine Yacht besitzen und nicht jeder ein Modell werden – darum geht es auch nicht. Eines der Hauptprobleme ist, dass Menschen genau das wollen was andere haben ohne sich überhaupt einmal Gedanken zu machen was Sie brauchen um glücklich zu sein.
Dein letzter Satz Peer nennt man das mimetisches Begehren.