Die kognitive Dissonanz der Blog-Leser

January 8, 2009 23:50 pm · 1 comment

Als ich die länge des Podcastes sah, den Roland mit Robert und J.Martin aufgenommen hat, wollte ich zuerst abbrechen. Doch da ich Roland vor anderthalb Jahren in Hamburg als sehr interessanten Menschen kennen und sofort schätzen gelernt habe und auch Robert immer gern lese und höre obwohl ich öfters anderer Meinung bin, habe ich mir es anders überlegt. Zum Glück – ich bin schon lange keiner so interessanten Diskussion gefolgt.

Zwar hat Robert schon in anderen Interviews und in seinem Blog deutlich gesagt, warum er basicthinking verkauft, doch dieses Gesprächs-Format bietet natürlich deutlich mehr Tiefe und durch den Diskurs auch vielleicht die Möglichkeit die Beweggründe besser zu verstehen. Nach Hören des Gesprächs scheint mir die Langweile mit der eingespielten Situation, das reine “Managen” des Blogs zumindest unterbewusst nicht (allein) der Kern gewesen zu sein – aber das ist natürlich auch nur meine Interpretation. In der zweiten Hälfte geht es dann mehr in eine Diskussion über Twitter über, die nicht weniger interessant ist. Im Folgenden werde ich meine Gedanken und Kommentare zu dem Kernpunkt des Gespräches geben, wie ich ihn empfunden habe:

Ich glaube Robert nicht, dass er nur mit geringer Resonanz gerechnet hat, auch wenn sicherlich nicht mit so großer. Als pesonifiziertes Understatement spielt er seine Rolle doch gerne runter – alleine weil er sie so nicht will, vermute ich. Roland hat zwar nachgehakt, aber blieb für meinen Geschmack (und später immer wieder) etwas zu wenig hartnäckig.In Folge diesen ersten Punktes spricht J den Kern des dann folgenden Gespräches an: die kognitive Dissonanz bei den Lesern.

Kurz gefasst geht es darum, dass für viele Leser Blog und Blogger identisch sind und so gewisse Erwartungshaltungen an den Blogger entstehen. Diese Erwartungshaltung bedeutet, dass die Leser meinen den Blogger zu kennen, nicht nur die Rolle des Bloggers, sondern die Person – in diesem Fall Robert Basic. Ich kann Robert verstehen, dass ihm das zu schaffen macht und er versucht durch eine Trennung von fachlichem und persönlichen Blog in der Zukunft dem zu begegnen. Er wird damit scheitern. Mitte 2004 (boar sind das echt schon wieder 4,5 jahre?) hat Volker Weber a.k.a vowe (der einzige deutsche A-Blogger ;-) )  dieses Thema in einem Beirag zu Ed Brills zwei Blogs angerissen und mit folgendem Satz geschlossen:

You may know vowe, but you don’t know Volker.

Drei Jahre später hat er als Reaktion auf einen versuchten persönlichen Angriff in klaren Worten den Sachverhalt nochmal beschrieben

… and he has made a very stupid but common mistake. He confused vowe with myself. It should come as no big surprise that vowe is only a small part of me.

Nun hat vowe gewiss eine etwas andere, ich sag mal ausgesuchtere, Leserschaft als unser Hans-Dampf-in-allen-Gassen Robert. So kann ich verstehen, dass gegen den eigenen Wunsch dieses Problem bei Robert ungleich stärker wurde und ihm mehr Schwierigkeiten macht. Allein glaube ich ähnlich wie J nicht, dass dies sich dem durch eine Trennung in einen fachlichen und einen persönlichen Blog begegnen lässt. Patrick Breitenbach wird zumindest auch bei mir immer den Flicken “Werbeblogger” mit am Ärmel haben. Ich sehe nur eine Chance, wenn so ein fachliches Blog nicht alleine geführt wird und dann muss man auch die Fähigkeit haben sich selbst hinter dem Schreiber zu verstecken – Roland hat kurz angesprochen wie es teilweise beim Werbeblogger klappt. Ich weiß nicht ob Robert das so kann.  Und wenn man das wirklich konsequent durchhält ist man bei einer tradtionellen Fachseite, die mit einem Blog lediglich die Sofware gemein hat. Auf jeden Fall wird Robert bei mir auch seinen Flicken “basicthinking” nicht so schnell los werden.

Das mag jetzt alles eher negativ eingestellt zum Verkauf des Blogs/der Marke geklungen haben, doch ich begrüße den Schritt aus reiner Neugier. Ich freue mich darauf zu sehen, was tatsächlich passiert, was bei Roberts neuen Blogs entstehen und wie es bei basicthinking weitergehen wird. Robert hat schon so einiges mit seinem Blog versucht – so manches ging schief, anderes hat wieder geklappt – spannend war es immer und darauf zähl ich auch bei den zukünftigen Projekten!

Eigentlich wollte ich das “Interview” an sich auseinandernehmen, aber jetzt bin ich doch bei diesem aus meiner Sicht sehr wichtigen Punkt hängen geblieben. Kurzes Feedback, Roland: häufiger fest dran bleiben – du hast es immer wieder versucht (z.B. bei Minute 32 bezüglich dem fachlichen Blog als traditionelles Medium), aber Robert hat das oft auch wieder umschifft ;-)

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