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Richtig Feedback geben

February 11th, 2008 at 21:16 by Martin Hiegl

Kritik oder Feedback hat verschiedene Dimensionen. Ich unterscheide dabei zwischen der Kritik an den Inhalten und der Objektkritik. Inhalte sind wohl soweit klar, dabei geht es um Fakten, Behauptungen etc. Objekte zu definieren ist schon schwieriger. Grob gesagt ist es der ganze Rest, was nach den Inhalten übrig bleibt, der Rahmen, in welchem die Inhalte eingebettet sind. Die beiden Dimensionen lassen sich nicht immer sauber trennen.

Im Folgenden werde ich Tipps geben, wie man richtig Kritik übt und Feedback gibt. Die Beispiele haben ein Szenario, in welchem Feedback zu einer Präsentation gegeben wird.

Bei Objekten geht es vor allem um die Wirkung des Objektes auf einen selbst bzw. was man selbst gesehen hat. Das ist wahrnehmungsbasierend und somit rein subjektiv. Diese Subjektivität muss auch in der Kritik zum Ausdruck kommen, ohne allerdings selbige zu relativieren. Passende Formulierungen dazu sind zum Beispiel die Folgenden:

  • Ich habe beobachtet …
  • Auf mich wirkte …
  • Ich empfand …

Beispiel: Auf mich wirkte es sehr unruhig, wie du herumgelaufen bist.
Beispiel: Ich habe beobachtet, dass du deine Hände sehr häufig vor der Brust verschränkt hast

Bei Inhalten wird es objektiver und dennoch sollte man nicht vergessen, dass es auch dort unterschiedliche Positionen gibt. Um also Kritik an Inhalten zu geben, muss die Herkunft des Inhaltes, welchen man gegenüberstellt, mitgegeben werden. Dabei soll nicht einfach behauptet werden, dass der kritisiert Inhalt falsch ist, sondern eher, dass es eine andere Sicht dazu gibt. Die sollte es aber dann auch tatsächlich geben.

  • Meiner Erfahrung nach …
  • Albert Einstein war der Meinung …
  • In der Zeitschrift nature wurde diskutiert …

Beispiel: Albert Einstein war ebenfalls der Meinung, dass Gott nicht würfele, nahm dies aber später wieder zurück.
Beispiel: Meiner Erfahrung nach machen sich Sandalen beim Kundenbesuch nicht besonders gut.

Grundsätzlich falsch sind absolute Formulierungen, auch wenn man der Meinung ist es besser zu wissen. Ebenso ist eine persönliche Bewertung fehl am Platz. Das wäre anmaßend und respektlos.

  • Das stimmt nicht …
  • Das war …
  • Ich finde …

Negativbeispiel: Du lügst, das ist nicht wahr.
Negativbeispiel: Ich fand das Ganze scheiße.

Die Kritik sollte klar und detailliert formuliert sein. Das bedeutet, dass keine Pauschalbewertungen wie gut/schlecht verwendet werden können, sondern präzise Adjektive/Adverben, welche für den Adressat konstruktiv wirken.

Beispiel: Auf mich wirkte die Präsentation unprofessionell.

Die Kritik sollte nach Möglichkeit eine Begründung enthalten, damit der Adressat auch gleich weiß, womit man nach der Meinung des Kritisierenden Verbesserungen erreichen kann.

Beispiel: Auf mich wirkte die Präsentation unprofessionell, weil die Powerpointfolien viele Spielereien enthielten.

Nicht die Person ist das Objekt der Kritik, sie ist nur der Adressat. Das bedeutet dass nicht sie kritisiert wird, sondern ihr Werk oder was sie getan hat (=Objekt).

Negativbeispiel: Du hast sehr unruhig auf mich gewirkt.
Positivbeispiel: Dein Hin- und Hergehen wirkte sehr unruhig auf mich.

Verbesserungsvorschläge können arrogant wirken, wenn sie nicht richtig formuliert sind. Dabei geht es nicht um eine Relativierung, sondern wieder darum, dass ein Verbesserungsvorschlag subjektiv ist und nicht für alle gilt.

Negativbeispiel: Du solltest die ganzen Spielereien aus der Präsentation entfernen
Positivbeispiel: Ohne die Spielereien in der Präsentation, würde sie profesioneller auf mich wirken.

Emotionen haben bei Kritik oder Feedback nichts zu suchen. Klar geht es um die Wirkung, aber auch diese kann sachlich formuliert und geäußert werden. Man sollte auch immer daran denken, dass der Adressat auch nur eine Mensch ist. ;-)

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gegebenenfalls werde ich ihn auch ergänzen und erweitern.

3 Responses to “Richtig Feedback geben”

  1. 1 · Feedback geben und Feedback nehmen · 11.02.2008, 21:17

    [...] Wichtig ist auch, wie man Kritik aufnimmt. Ich werde diese Woche zwei Artikel dazu schreiben Feedback richtig zu geben und richtig anzunehmen, so wie ich es gelernt und erfolgreich angewandt habe. No Comments, [...]

  2. 2 · Siegfried Gipp · 12.02.2008, 08:10

    Durchaus richtig. Und nur als kleine Ergänzung noch ein Tipp, den ich übrigens von dem Apostel Paulus “geklaut” habe. Dieser beginnt die Kritikschreiben an die verschiedenen Gemeinden in allen Fällen zunächst mit einer lobenden Erwähnung der positiven Aspekte. Die Reihenfolge spielt da eine Rolle.

  3. 3 · Martin Hiegl · 12.02.2008, 13:17

    Da hast du völlig recht – den Punkt hatte ich hier ganz ausgeklammert. Kritik üben/Feedback geben bedeutet sowohl (aus eigener Sicht) negative als auch positive Punkte anzusprechen. Guter Stil ist da die von dir genannte Reihenfolge.

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