Evolution vs Schöpfung – Streit um den Geist
Heute habe ich zwei ziemlich konträre Positionen gelesen, zuerst eine Evolutionskritik in der Stuttgarter Zeitung, über welche ich bloggen wollte, und dann hat Udo Vetter mich zu ein Interview in der Süddeutschen Zeitung geführt. Darin behauptet ein Biologe, dass es keinen freien Willen gibt, bzw. der Mensch eben diesen nicht hat.
Im ersten Artikel ist Rolf Spinnler der Meinung, dass man zwar nicht unbedingt die wörtliche Schöpfungsgeschichte der Bibel im Biologieunterricht behandeln muss, allerdings die kritische Betrachtung der Evolutiontheorie als ebenso metaphysische Vorstellung wichtig sei. Besonders hebt er dabei den Geist hervor, welcher zwar biologische Grundlagen habe, aber “zugleich mehr als die Summe seiner Entstehungsbedingungen” sei. Diesen qualitativen Sprung erkläre eine Evolutionstheorie nicht, dafür aber eine Schöpfungsgeschichte:
Sie führt dieses “Mehr” auf einen Akt grundloser Freiheit zurück, zu dem wir fähig sind, weil wir uns selbst einem nicht mehr ableitbaren göttlichen Schöpfungsakt verdanken.
Abgeschlossen wird seine Argumentation mit einem philosophisch-moralischen Standpunkt, welcher dem Leben ohne Schöpfung jeglichen Sinn abspricht und zugleich auch jeglicher Verantwortung.
Genau das Gegenteil meint Franz Wuketits im SZ-Interview. Er behauptet, dass alles, sprich auch der Geist, auf komplizierten, neuronalen, biologischen Prozessen im Hirn beruht, welche durch die Evolution entstanden sind. Dabei haben wir uns zudem die Illusion des freien Willens gegeben. Dies käme durch den Erklärungsnotstand, welcher uns von anderen Organismen unterscheide. Um diesen zu befriedigen würden immer wieder Illusionen aufgebaut, welche zwar nicht zutreffend aber zufriedenstellend sein müssten. Er bestreitet auch einen Notwendigkeit des freien Willens für die Moral (Verantwortung), da diese nur die Summe der Selbstregulationsmechanismen unserer Gesellschaften sei. Schuld und Sühne wären damit überholt. Allerdings glaubt er, dass unsere Gesellschaft noch nicht reif für diesen nächsten Schritt der Selbsterkenntnis sei. Rolf Spinnler ist es auf jeden Fall nicht.
Update: Weitere Kommentare zum Artikel von Rolf Spinnler:
Soso, und woher kommt die Überzeugung, daß dieser nächste Schritt in der Selbsterkenntnis der richtige sei?
Freier Wille und Verantwortung sind Konzepte, die sich weder beweisen noch widerlegen lassen. Allerdings birgt das Leugnen von feeiem Willen und Verantwortung die große Gefahr von absolut skrupellosem Egoismus. Klar gibt es dagegen Regulatorien, die aber nicht verhindern, daß sich eine signifikante Anzahl von Individuen mit Hinweis auf die Nichtexistenz von Verantwortung zu Monstern entwickeln. Keine gute Idee.
Der grundsätzliche Gedanke, Schöpfungslehre und Evolutionstheorie beide als Weltanschauung zu lehren, ist absolut korrekt und objektiv. Rein wissenschaftlich gesehen ist lediglich die Systhematik z.B. der Fauna eine Tatsache. Die Frage nach Gründen oder Ursachen für diese Systhematik ist reine Weltanschauung, auch in der Evolutionstheorie. Im Gegensatz zu Politikern wird auch kein ernsthafter Wissenschaftler jemals behaupten, der Kern der Evolutionstheorie, nämlich die zufällige Entwicklung der Spezies, wäre eine wissenschaftlich bewiesene Tatsache. Sie ist ein Erklärungsmodell, mehr nicht. Die Schöpfungslehre ist ein anderes Erklärungsmodell. Ebenfalls nicht mehr. Für beide Erklärungsmodelle lassen sich Argumente und Indizien finden. Von einem Beweis sind beide Erklärungsmodelle weit entfernt. Es dürfte sogar so sein, daß die Frage nach dem “warum” per se unwissenschaftlich ist. “Warum” hier nicht technisch betrachtet (Warum beschleunigt ein Körper? Weil eine Kraft einwirkt), sondern die Frage nach dem Grund (Warum gibt es diese Kraft?). Es ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, die metaphysischen Gründe für die Existenz von Tatsachen zu untersuchen, sondern vielmehr, diese Tatsachen als solche und deren Zusammenhänge zu untersuchen.
Das hab ich nicht behauptet – das behauptet Franz Wuketits.
Genau daran arbeitet die Wissenschaft, wie z.B. Franz Wuketits.
Des Weiteren hab ich das Gefühl, dass Sie das Interview nicht gelesen haben, in welchem ja auch erklärt wird, dass die fehlende Verantwortung eben keine negativen Auswirkungen haben muss und auch warum nicht. Lesetipp!
Der Unterschied zwischen Schöpfungsleere, welche weniger ein Erklärungsmodell, als eine religiöse Vorstellung ist, und Evolutionstheorie ist einfach, dass erstere falsifiziert werden konnte, während es bei zweiterer noch nicht gelungen ist (Theorien werden nicht/sehr selten bewiesen). Die Frage welche gestellt wird ist auch nicht das “warum”, sondern das “wie” – wie entsteht dieser Geist – durch Gottes kleinen Finger oder durch ein paar verrückte Neuronen.
Was die Evolution (im gegensatz zur Schöpfungstheorie) erklären kann ist der Geist. Das Bewusstsein, der Wille. Es mag sein, dass die Wissenschaftler versuchen das ganze mit Neuronen usw. zu erklären, aber es gelingt nicht.
Wenn man weiterdenkt und sagt, dass alles von Neuronen und biologischen Prozessen abhängt muss man sagen, dass kein Mensch für sein Denken und Verhalten, für seine Gefühle und die dadurch folgenden Handlungen verantwortlich ist.
Ein Teil der Neurobiologen versuchen auch genau das zu beweisen :-)
Peter, zuerst das Interview lesen, das oben verlinkt ist, dann kommentieren. Den Geist kann bisher noch gar nichts erklären, alles graue Theorie – oben sind zwei konträre beschrieben/verlinkt.
Du widersprichst dir, indem du meinst es sei durch die Evolution zu erklären aber es habe nichts mit der Biologie zu tun. Die Evolution (hier) handelt von der biologischen Entwicklung.
äh bitte editieren und die beiden tauschen :-)